OFEN AUS

Nach 182 Jahren: Bei Kahla Porzellan ist der Brennofen kalt

Im thüringischen Kahla lief der letzte Porzellanbrand, 96 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit, weil sich kein Investor fand.

Dirk Muchow·
Kaffeetasse mit Untertasse, Perlmutt-Porzellanserie Kahla, VEB Feinkeramik Kahla, DDR, Produktionszeitraum der Serie vermutlich 1957-1962 der zeitlichen Einordn
Kaffeetasse mit Untertasse, Perlmutt-Porzellanserie Kahla, VEB Feinkeramik Kahla, DDR, Produktionszeitraum der Serie vermutlich 1957-1962 d · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: VSchagow / Wikimedia Commons, Kaffeetasse Kahla Perlmutt-Porzellan Goldflitterhintergrund 2021.jpg

Schluss nach 182 Jahren! Im thüringischen Kahla ist der große Brennofen aus. Am Freitag, dem 23. Oktober 2026, fuhren zum letzten Mal zwei Wagen mit Weißware hinein: 170 Teller und 400 Tassen. Rund fünf Stunden bei fast 1400 Grad, dann war die letzte Charge fertig. Danach wurde der Ofen abgeschaltet. Nach heutigem Stand bleibt er aus.

Auf den Tag genau 182 Jahre vorher, am 23. Oktober 1844, war in Kahla der erste Porzellanbrand gelungen. Jetzt trifft das Ende 96 Beschäftigte. Viele haben ihre Kündigung schon bekommen. Ein Teil arbeitet noch weiter, um offene Aufträge fertigzumachen und Ware für den Verkauf vorzubereiten.

Kein Retter gefunden

Im Frühjahr 2026 ging das Unternehmen erneut in die Insolvenz. Monatelang liefen Gespräche mit Investoren, auch mit einem Interessenten aus der Türkei. Eine Übernahme, die sich rechnet, kam nach Angaben der Insolvenzverwaltung nicht zustande. Bis Ende 2026 soll der Betrieb Schritt für Schritt auslaufen.

Ein Grund für die Krise: die Energie. Zuletzt kostete sie rund 200.000 Euro im Monat. Wirtschaftlich wäre der etwa 70 Meter lange Ofen nur bei deutlich mehr Auslastung gewesen. Dazu kamen wenig Aufträge, Zurückhaltung bei den Käufern aus der Gastronomie und harter internationaler Wettbewerb. Auch versäumte Investitionen sollen die Lage verschlimmert haben.

Ansturm auf den Werksverkauf

Seit die Schließung bekannt ist, stürmen die Kunden das Werk. In den ersten vier Tagen kamen rund 6500 Menschen, an manchen Tagen sind es bis zu 3000. Rund 30.000 Teile mussten nachgelegt werden. In knapp drei Wochen soll der Werksverkauf so viel Umsatz gemacht haben wie sonst in einem ganzen Jahr. Geöffnet ist er donnerstags bis samstags, auch in der Kilo-Halle.

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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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