BÜROKRATIE-FRUST

Bürokratie aus Brüssel: Thüringer Milliardenhändler stoppt Expansion und schlägt Alarm

Erst ist die Europa-Expansion geplatzt, jetzt kommt die Abrechnung: Die Böttcher AG aus Zöllnitz warnt vor den neuen EU-Regeln für Umweltwerbung.

Dirk Muchow·
Logistikzentrum eines Onlinehändlers bei Jena mit Lkw-Rampen und gestapelten Paketen
The radio studio · Lizenz: CC BY 4.0 · Bild: Europäische Kommission - Audiovisueller Dienst, Etienne Ansotte, CE - Service audiovisuel, EC - Audiovisual Service, Shi / Wikimedia Commons, The new radio studio of the EC in the Berlaymont building (P-027074-00-29).jpg

Die Böttcher AG aus Zöllnitz bei Jena schlägt Alarm. Der Onlinehändler für Bürobedarf und Geschäftskunden wirft der EU vor, Unternehmen mit immer neuen Vorgaben zu überziehen. Auslöser sind die neuen Regeln gegen Greenwashing. Sie gelten seit dem 27. September.

Die Firma stellt klar: Gegen Verbrauchertäuschung braucht es klare Regeln. Doch bei der Richtlinie 2024/825 zu Umweltaussagen werde aus einem guten Ziel immer mehr Bürokratie mit großen Risiken. Bei über 250.000 Produkten heißt das: Beschreibungen, Bilder, Siegel und Werbesprüche müssen geprüft und rechtlich abgesichert werden.

Strafen nach Umsatz statt nach Gewinn

Am härtesten fällt die Kritik bei den Bußgeldern aus. Die EU bemisst Strafen zunehmend am Umsatz. Umsatz ist aber kein Gewinn. Bei hohen Umsätzen und dünnen Margen kann eine Strafe laut Böttcher ein Vielfaches des Jahresgewinns ausmachen. Verhältnismäßig sei das kaum noch.

Die Folge ist aus Sicht des Unternehmens absurd: Firmen lassen sogar zutreffende Umweltaussagen weg, weil jede davon ein juristisches Risiko ist. Am Ende gibt es weniger Information statt mehr Transparenz.

Die Warnung kommt von keinem Pleitekandidaten. Böttcher knackte im vergangenen Jahr erstmals die Umsatz-Milliarde, beschäftigt über 700 Menschen und hat rund zehn Millionen Kunden. 2024 standen 908 Millionen Euro Umsatz und 79,9 Millionen Euro Nettogewinn in den Büchern.

Trotzdem sagte das Unternehmen im September seine bereits vorbereitete Expansion nach Österreich und in weitere Länder ab. Damit fallen bis zu 500 Millionen Euro Umsatz und bis zu 300 neue Jobs weg. Als Grund nannte Böttcher die schwierigen Bedingungen in Deutschland und Europa, vor allem die EU-Politik. Die Forderung jetzt: Bürokratieabbau nicht mehr nur ankündigen, sondern endlich umsetzen.

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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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