EZB-RÜCKZUG
Lagarde geht früher – jetzt beginnt der Poker um die EZB-Spitze
Christine Lagarde verlässt die Europäische Zentralbank schon im Februar 2027 – und in Europa beginnt das Gerangel um ihren Chefsessel.

Frankfurt. Monatelang wurde darüber gemunkelt, jetzt ist es offiziell: Christine Lagarde hört als Präsidentin der Europäischen Zentralbank vorzeitig auf. Ausgerechnet am Tag der Zinssitzung kündigte die Französin per Videobotschaft an, ihr Amt am 7. Februar 2027 abzugeben. Regulär wäre ihre Amtszeit erst Ende Oktober 2027 ausgelaufen.
Den Leitzins ließ die EZB am selben Tag bei 2,5 Prozent. Dabei drückt die Teuerung: Im September stieg die Inflation im Euroraum auf 3,8 Prozent. Das ist fast doppelt so viel, wie die Währungshüter anpeilen.
Angst vor der Frankreich-Wahl
Als Hintergrund gilt die Präsidentschaftswahl in Frankreich im April 2027. Die Befürchtung: Siegt Marine Le Pen mit ihrem eurokritischen Lager, könnte es deutlich schwerer werden, den Chefposten in Frankfurt neu zu besetzen. Durch den frühen Abgang kann der scheidende Präsident Emmanuel Macron noch mitentscheiden.
Aus Lagardes Umfeld heißt es, sie wolle sich freier äußern und sich um Themen jenseits der Finanzwelt kümmern. Kritik kommt vom CSU-Europaabgeordneten Markus Ferber. Er fragt, ob sich eine Notenbank, die so auf ihre Unabhängigkeit pocht, nach Wahlterminen richten sollte.
Wer wird Nachfolger?
Die besten Karten haben nach gängiger Einschätzung zwei Männer: Klaas Knot, einst Chef der niederländischen Zentralbank, und Pablo Hernández de Cos aus Spanien, der heute die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich leitet. Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat sich selbst ins Spiel gebracht.
Deutschland hat die EZB noch nie geführt. Größte Hürde: Mit Ursula von der Leyen steht bereits eine Deutsche an der Spitze der EU-Kommission. Wahrscheinlich wird ein ganzes Personalpaket geschnürt. Auch Isabel Schnabels Platz im Direktorium wird frei, sie wechselt im Januar zum IWF. Kanzler Friedrich Merz will die Suche bis Jahresende abschließen.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.






