ZINSPAUSE
Inflation bei 3,8 Prozent – EZB legt trotzdem eine Zinspause ein
Die Preise steigen weiter, doch die Europäische Zentralbank rührt den Leitzins nicht an – und verliert im Februar auch noch ihre Chefin.

Die Europäische Zentralbank bleibt beim Leitzins von 2,5 Prozent. Das gab sie nach ihrer Sitzung am Donnerstag bekannt. Eine Überraschung ist das nicht: Genau damit war gerechnet worden.
Dabei ist die Teuerung hoch. Im Euroraum lag die Inflation zuletzt bei 3,8 Prozent. Im August waren es noch 3,2 Prozent. Die EZB strebt 2,0 Prozent an. Erst im September hatte sie die Zinsen deshalb angehoben.
Ökonomen erwarten Schritt im Dezember
Volkswirte großer Banken finden die Pause im Großen und Ganzen vertretbar. Andreas Bley, Chefökonom der Volks- und Raiffeisenbanken, nennt als Grund härtere Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und eine etwas trübere Stimmung in der Wirtschaft. Trotzdem rechnen Ökonomen im Dezember mit der nächsten Anhebung.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer mahnt zur Wachsamkeit. Seiner Einschätzung nach dürften die höheren Energiepreise bald auf andere Waren und Dienstleistungen übergreifen. Er hofft, dass sich die EZB im Dezember nicht von der Haushaltskrise in Frankreich bremsen lässt.
Lagarde geht früher
Für noch mehr Gesprächsstoff sorgte etwas anderes: EZB-Präsidentin Christine Lagarde räumt ihren Posten vorzeitig im Februar. Die EZB bestätigte das am Morgen. Lagarde begründete den Schritt mit der Neutralitätspflicht ihres Amtes. Sie wolle frei sprechen können.
Damit ist das Rennen um ihre Nachfolge eröffnet. Gehandelt werden der Niederländer Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos. Bundesbankchef Joachim Nagel werden dagegen kaum Chancen eingeräumt. Der Grund: Mit Ursula von der Leyen an der Spitze der EU-Kommission hat bereits eine Deutsche ein hohes Amt in Europa.
Auch in den USA bleibt alles beim Alten. Die Notenbank Fed unter Kevin Warsh ließ ihren Leitzins am Mittwoch in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Einstimmig war das nicht: Lisa Cook und Beth Hammack stimmten für eine Erhöhung.
Zinsen, Preise, Ihr Geld: Dirk Muchow Klartext bleibt dran. Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter!
Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.






