PLEITE
CO2-Kosten: Pappenfabrik Tullau macht nach fast 150 Jahren dicht
Rund 100 Jobs weg: Der Insolvenzverwalter legt die Traditionsfirma still, offene CO2-Zertifikate schrecken Investoren ab.

Aus und vorbei: Die Pappenfabrik Tullau stellt die Produktion ein. Seit 1878 war sie in Familienhand und hat zwei Weltkriege überstanden. Jetzt ist Schluss. Betroffen sind die Werke in Rosengarten-Tullau im Kreis Schwäbisch Hall und in Trauchgau bei Halblech im Ostallgäu. Rund 100 Mitarbeiter verlieren ihren Job.
CO2-Schulden schrecken Käufer ab
Der vorläufige Insolvenzverwalter hat die Betriebe stillgelegt, bevor das Insolvenzverfahren überhaupt eröffnet war. Der Knackpunkt sind offene Pflichten zur Abgabe von CO2-Zertifikaten für 2025 und 2026, es geht um fast siebenstellige Summen. Als bevorrechtigte Masseverbindlichkeiten machen sie einen Einstieg für Investoren unattraktiv. Eine Chance zum Weitermachen sah der Verwalter nicht.
Der Verwalter spricht von einem „sanierungsfeindlichen Gesetz“ und meint das Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz. Es nehme der Firma jede Möglichkeit zur Rettung, und so würden Arbeitsplätze ganz bewusst geopfert. Auch der Geschäftsführer klagt, Umweltziele seien hier wichtiger genommen worden als Jobs. Die Belegschaft habe monatelang alles gegeben, um die Werke zu retten.
Die Rechnung
Für Vollpappe und Graupappe braucht man viel Energie. Eine Tonne kostet in der Herstellung rund 600 Euro, etwa ein Zehntel davon fällt für CO2-Zertifikate an. Bei 40.000 Tonnen im Jahr und 27.200 Tonnen CO2-Ausstoß wären das rund 1,6 Millionen Euro. Dazu kommen kräftig gestiegene Preise für Strom und Gas.
Immerhin: Ihr Oktober-Gehalt bekommen die Beschäftigten noch, und zwar aus dem Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.








