BÖRSEN-BEBEN
Lula gewinnt – und Brasiliens Börse stürzt ab
Nach der Wiederwahl von Präsident Lula da Silva stürzen Brasiliens Aktien, Anleihen und der Real ab, weil Anleger einen wachsenden Schuldenberg fürchten.

Am Sonntag die Stichwahl, am Montag der Absturz: Brasiliens linker Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat sich überraschend eine vierte Amtszeit gesichert, mit 51,8 Prozent der Stimmen. An den Finanzmärkten folgten Panikverkäufe.
Fonds auf den Leitindex Bovespa verloren am Montagmorgen bis zu 25 Prozent. Brasilianische Papiere, die in New York gehandelt werden, brachen um bis zu 27 Prozent ein. In São Paulo wurde der Handel zeitweise gestoppt. Auch die Staatsanleihen gerieten unter Druck, und der Real verlor gegenüber dem Dollar mehr als acht Prozent.
Wetten auf Bolsonaro geplatzt
Den ersten Wahlgang Anfang Oktober hatte Herausforderer Flávio Bolsonaro gewonnen. Die Börsen jubelten: Am 9. Oktober stieg der Bovespa zum ersten Mal über 200.000 Punkte. Investoren setzten auf einen strengeren Sparkurs im Haushalt, und die Petrobras-Aktie legte zu, weil Anleger auf lockerere Umweltauflagen hofften. Ein Teil dieser Kurssprünge wird jetzt wieder korrigiert.
Angst vor dem Schuldenberg
Unter Lula sind Brasiliens Staatsschulden auf knapp 83 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Die Weltbank warnt: Geht die Ausgabenpolitik so weiter, könnte die Quote bald 100 Prozent erreichen. Für einen Anleihestrategen aus London steht ganz oben auf der Agenda, wen Lula in den kommenden Wochen zum Finanzminister macht.
Hoffnung weckt bei Beobachtern Vizepräsident Geraldo Alckmin. Der Gemäßigte spielte bei Lulas Siegesfeier eine große Rolle. Das nährt die Erwartung, er könnte die Wirtschaftspolitik in eine konservativere Richtung lenken.
Zusätzliche Unruhe kommt von Bolsonaro. Der Wahlverlierer, den US-Präsident Donald Trump unterstützt, erkennt das Ergebnis nicht an und spricht von Wahlbetrug. Die EU-Kommission dagegen ist erleichtert, Präsidentin Ursula von der Leyen gratulierte Lula. Er gilt als offen für das Handelsabkommen Mercosur.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.







