FLUCHT NACH MIAMI

Bolsonaro-Sohn flieht nach Miami und ruft sich zum Wahlsieger aus

Brasiliens Wahlverlierer Flávio Bolsonaro setzt sich trotz Ausreiseverbot in die USA ab und spricht ohne jeden Beleg von Wahlbetrug.

Dirk Muchow·
Flávio Bolsonaro spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung in Brasilien
Senador Flávio Bolsonaro (Republicanos-RJ) e seu advogado, Frederick Wassef, concedem entrevista coletiva à imprensa. Na ocasião, o advogad · Lizenz: CC BY 2.0 · Bild: Agência Senado / Wikimedia Commons, Entrevistas - Senador Flávio Bolsonaro (Republicanos-RJ) e advogado Frederick Wassef.jpg

Er hat verloren und will es nicht wahrhaben. Flávio Bolsonaro, in der Stichwahl um Brasiliens Präsidentenamt unterlegen, hat sich aus Miami zum eigentlichen Wahlsieger erklärt. In einem offenen Brief auf X spricht er von Wahlbetrug. Beweise? Keine.

Die Zahlen sind eindeutig. Laut Wahlbehörde holte Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva 51,8 Prozent, Bolsonaro kam auf 48,2 Prozent. Für Bolsonaro ist Lulas Sieg trotzdem unrechtmäßig, errungen nur mit Hilfe einer korrupten Justiz. Später rückte er ein Stück zurück: Statt als gewählter Präsident bezeichnet er sich jetzt als Anführer Brasiliens.

Heimlich über die Grenze

Dabei durfte er das Land gar nicht verlassen. Das Oberste Gericht hatte ihm die Ausreise untersagt und verlangt, binnen 24 Stunden seine Pässe abzugeben. Bolsonaro tat das nicht. Er bestreitet jedes Fehlverhalten und spricht von politischer Verfolgung.

Am Dienstagabend fuhr er mit seiner Familie nach Argentinien. Von Puerto Iguazú ging es im gecharterten Privatjet über Guayaquil in Ecuador weiter nach Miami. Argentiniens Präsident Javier Milei soll die Reise ermöglicht haben. Seine Regierung sagt, Bolsonaro sei mit ordnungsgemäßen Papieren gereist.

Auch aus Washington kam kein Widerstand. US-Präsident Donald Trump erklärte, er habe nichts gegen die Einreise. Das US-Außenministerium kündigte Visa für Bolsonaro und seine Familie an.

Gegenwind aus dem eigenen Lager

Zu Hause wird es einsam um ihn. PL-Parteichef Valdemar Costa Neto stellte klar, niemand habe den Brief abgesegnet. Sein früherer Wahlkampfkoordinator Rogério Marinho sagte, für Betrug gebe es keine Beweise. Und São Paulos Gouverneur Tarcísio de Freitas, ein wichtiger Verbündeter, mahnt: das Ergebnis respektieren und nach vorne schauen.

Keine Meldung verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von Dirk Muchow Klartext!

Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

Alle Beiträge · RSS

Mehr zum Thema

Aus dem Ressort Ausland

Alle ansehen →

Albanien: Wut auf Rama und Luxusresorts

Fr
Albaniens Ministerpräsident Edi Rama spricht bei einem Auftritt vor Mikrofonen

Zyklon „Arnab“ wütet in Ostindien

Fr
Sturmwolken und Starkregen über einer Küstenregion im Osten Indiens

KP wirft 33 Spitzenkader raus

Fr
Xi Jinping spricht am Rednerpult in der Großen Halle des Volkes in Peking

Senat: Zuschauer sollen für Krawalle zahlen

Fr
Plenarsaal des französischen Senats im Palais du Luxembourg in Paris während einer Sitzung

Teheran spricht über Kriegsende

Fr
Irans Außenminister Abbas Araghtschi bei einem offiziellen Termin

Hormus: Tanker offenbar erneut getroffen

Fr
Öltanker auf See in der Straße von Hormus am Persischen Golf