UKRAINE-KRIEG
Kreml kündigt Ukraine-Gespräche an – Experten zweifeln an Putins Absichten
Im November sollen Russland, die Ukraine und Trumps Unterhändler über ein Kriegsende reden – zwei Fachleute dämpfen die Erwartungen.

Neuer Anlauf für ein Ende des Ukraine-Kriegs: Der Kreml hat direkte Verhandlungen mit Kiew für November angekündigt. Geplant ist ein Treffen zu dritt. Vertreter Russlands und der Ukraine wollen sich mit Unterhändlern von US-Präsident Donald Trump an einen Tisch setzen. Ob die Runde wirklich zustande kommt, ist offen.
Zwei Fachleute sind skeptisch. Der Osteuropa-Experte Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik bezweifelt, dass Wladimir Putin echtes Interesse an den Gesprächen hat. Seine Einschätzung: Moskau wolle die Ukraine über den Winter massiv schwächen, damit Kiew im Frühjahr womöglich Zugeständnisse macht, die es heute ablehnt.
Der Innsbrucker Politikwissenschaftler Gerhard Mangott sieht ein Spiel auf Zeit. Nach seiner Deutung setzt Putin darauf, dass Europa die Hilfe für die Ukraine immer schwerer bezahlen kann und Wahlen im kommenden Jahr einen Rechtsruck bringen. Sein Beispiel ist Frankreich: Käme Marine Le Pen an die Macht, könnten die Ukraine-Hilfen dort enden.
Moskaus Forderungen sind hart: Gebiete in der Ostukraine und weitreichende militärische und politische Auflagen für Kiew. Die Ukraine und ihre Verbündeten sehen darin faktisch eine Kapitulation.
Gleichzeitig erhöht Russland den Druck. In den vergangenen Wochen nahmen die Drohnen- und Raketenangriffe zu, vor allem auf Energieanlagen nahe größeren Städten. Im vergangenen Winter ließen ähnliche Angriffe bei bis zu minus 20 Grad Millionen Menschen ohne Strom und Wärme. Meister rechnet mit Evakuierungen aus Städten, aber nicht damit, dass die Ukrainer einknicken.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.





