ALBANIEN
Flammen in Tirana: Studenten protestieren gegen Rama und Luxusresorts
In Albanien gehen seit Mai Studenten auf die Straße, gegen Armut, steigende Preise und ein Milliarden-Resort aus dem Umfeld von Jared Kushner.

Feuer im Bildungsministerium, Flammen vor dem Büro des Regierungschefs: Mitte Oktober ist der Protest in Tirana eskaliert. Hunderte Studenten und andere Regierungsgegner forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Er führt das Land seit 2013, an der Spitze der Sozialistischen Partei.
Der Ausbruch kommt nicht aus dem Nichts. Seit Ende Mai gehen die Menschen immer wieder auf die Straße. Sie nennen Albanien das ärmste Land Europas, die Preise steigen. Laut Weltbank kletterte die Inflation auf dem westlichen Balkan 2025 wieder auf 3,7 Prozent. Teurer wurden vor allem Lebensmittel, dazu Dienstleistungen und die Kosten der Grundversorgung.
Streit um die Küste
Zündfunke war ein Milliardenprojekt: Luxusresorts bei Zvernec nahe der Lagune Vjosa-Narta und auf der unbewohnten Insel Sazan. Das Vorhaben stammt aus dem Umfeld von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Die Demonstranten fürchten den Ausverkauf der Küste und die Zerstörung wertvoller Natur.
Mehrere namhafte Journalisten haben eine Online-Plattform aufgebaut. Dort sind die Genehmigungen von 2015 bis 2026 aufgeführt. Karten, Bilder und Besitzerangaben machen sichtbar, welche Küstenabschnitte an sogenannte strategische Investoren gingen. Zweiter Streitpunkt ist ein Waffengeschäft mit israelischen Rüstungsfirmen, darunter Elbit Systems. Viele Demonstranten lehnen es ab.
Rama droht mit Strafen
Die Protestierenden berichten von Polizeigewalt. Rama drohte den Studenten und ihren Familien in einer Rede mit Geldstrafen. Polizisten an vorderster Front sollen eine Prämie von 2500 Euro bekommen. Der Regierungschef bestreitet, dass die Proteste etwas mit den Lebensbedingungen zu tun haben. Er sieht unter anderem die Opposition am Werk, die den EU-Beitritt verhindern wolle.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.








