SOZIALSTAAT

Jobcenter-Geld für Rumänen in Magdeburg: Von 143.000 auf rund drei Millionen Euro

In Magdeburg sind die Grundsicherungs-Ansprüche rumänischer Staatsbürger seit 2013 auf mehr als das Zwanzigfache gestiegen.

Dirk Muchow·
Eingang eines Jobcenters in Magdeburg mit dem Schild der Agentur für Arbeit
view of Fântânele village · Lizenz: CC BY-SA 3.0 · Bild: Mircea Rareș Țetcu / Wikimedia Commons, FantaneleSB.jpg

Diese Zahlen sind ein Hammer: Im Jahr 2013 standen rumänischen Staatsbürgern in Magdeburg Leistungen nach dem SGB II von rund 143.000 Euro zu. 2025 waren es rund drei Millionen Euro. Das ist mehr als das Zwanzigfache. Die Daten stammen von der Bundesagentur für Arbeit und wurden für eine Fernsehreportage ausgewertet.

Ein Minijob öffnet die Tür

Rumänien und Bulgarien sind seit 2007 in der EU. Seit 2014 dürfen ihre Bürger ohne Arbeitserlaubnis in Deutschland arbeiten. Schon ein Minijob kann reichen, um zusätzlich Sozialleistungen zu bekommen.

Die Reportage rechnet vor: Eine Familie mit sieben Kindern und zwei Eltern im Minijob könnte in Deutschland mit Lohn und Leistungen auf rund 4.500 Euro im Monat kommen. Eine vergleichbare Familie in Rumänien hätte demnach rund 1.500 Euro.

Ein Vater von acht Kindern, der nach eigenen Worten auf dem Bau arbeitet, sagt vor der Kamera, er bekomme Kindergeld und Unterstützung vom Jobcenter. Seine gesamten Einnahmen im Monat schätzt er auf ungefähr 3.000 Euro.

In mehreren Roma-Gemeinden in Rumänien stehen große Neubauten und teure Autos, viele mit deutschen Kennzeichen, etwa aus Magdeburg, Halle und Hagen. Der Bürgermeister des Ortes Fântânele sagt sinngemäß: Hätte Deutschland diese Leistungen nicht angeboten, wären sie wohl nicht dort.

Warnung vor Missbrauch

Marc Elxnat vom Deutschen Städte- und Gemeindebund sieht das Grundproblem im europäischen Arbeitnehmerbegriff. Wer nur wenige Stunden im Minijob arbeite, gelte schon als Arbeitnehmer und könne so Ansprüche auf ergänzende Leistungen erwerben. Damit sei nach der Einreise auch Missbrauch möglich, warnt er.

Sie wollen solche Zahlen nicht verpassen? Abonnieren Sie jetzt den KLARTEXT-Newsletter: unabhängig, ohne Rundfunkbeitrag, von Lesern bezahlt.

Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

Alle Beiträge · RSS

Mehr zum Thema

Aus dem Ressort Migration

Alle ansehen →

Somalierinnen seit Juli im Transit

Fr
Terminalgebäude des Frankfurter Flughafens von außen

Über 200.000 Geduldete in Deutschland

Fr
Eingang einer deutschen Ausländerbehörde mit Hinweisschildern und Wartebereich

Bamf: 430 Stellen nur für Asylprozesse

Do
Die ehemalige SS-Kaserne von Süden. Sie wird gegenwärtig vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge genutzt

40 Straftäter nach Kabul abgeschoben

Do
Alexander Dobrindt, Bundesverkehrsminister, beim 1. Spatenstich zur 2.-S-Bahn-Stammstrecke in München

Frontex soll Abschiebungen steuern

Do
Logo der EU-Grenzschutzagentur Frontex an der Fassade des Hauptsitzes in Warschau

Dobrindts Haus fördert Islam-Verband

27.10.2026
Alexander Dobrindt, Bundesverkehrsminister, beim 1. Spatenstich zur 2.-S-Bahn-Stammstrecke in München