AUSREISEPFLICHTIG
Mehr als 200.000 Geduldete: Sie müssten gehen – und bleiben vorerst
Ende September lebten 200.601 ausreisepflichtige Ausländer mit Duldung in Deutschland – nach drei Jahren Rückgang steigt die Zahl wieder.

Die Zahl steigt wieder. Zum Stichtag 30. September 2026 waren in Deutschland 256.873 Ausländer ausreisepflichtig. 200.601 von ihnen haben eine Duldung. Das heißt: Sie müssen das Land eigentlich verlassen, doch ihre Abschiebung ist vorerst ausgesetzt.
Die Zahlen hat die Bundesregierung dem Bundestag mitgeteilt. Gefragt hatte die Grünen-Abgeordnete Filiz Polat. Ende 2025 zählten die Behörden 190.974 Geduldete bei 232.067 Ausreisepflichtigen. Binnen neun Monaten kamen damit 9.627 Geduldete hinzu. Fast vier von fünf Ausreisepflichtigen sind inzwischen geduldet.
Warum geduldet wird
Eine Duldung gibt es etwa, wenn Reisepapiere fehlen, jemand krank ist oder familiäre Gründe vorliegen. Ein Aufenthaltstitel ist sie nicht. In den ersten neun Monaten 2026 bekamen rund 45.000 Menschen erstmals eine Duldung, darunter zum Stichtag rund 13.460 Minderjährige.
Ampel-Regel ist ausgelaufen
Ende 2022 lebten rund 248.000 Geduldete im Land. Danach sank die Zahl, unter anderem wegen des Chancenaufenthaltsrechts der Ampel aus SPD, Grünen und FDP. Wer zum 31. Oktober 2022 seit mindestens fünf Jahren hier war, konnte 18 Monate Aufenthalt auf Probe bekommen.
Ende 2025 lief die Regelung aus. Ein weiterer denkbarer Grund für das Plus: Asylanträge werden seltener anerkannt.
Arbeit spielt kaum eine Rolle
Im Ausländerzentralregister standen zum Stichtag nur 402 Ausbildungsduldungen und 17 Beschäftigungsduldungen. Polat hält die Vorschriften dafür für zu kompliziert. Sie will mehr Wege von der Duldung zu einem regulären Aufenthaltstitel.
Auch in der SPD wurden zuletzt Stimmen laut: Ausländische Beschäftigte, die schon integriert sind, sollen neue Bleiberechte bekommen.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.





