ASYL-ZAHLEN
Hunderte Fälle, nur vier Abschiebungen nach Italien und Griechenland
Seit dem Start des neuen EU-Asylsystems hat Deutschland nur vier Asylbewerber nach Italien und Griechenland zurückgebracht.

Hunderte Fälle, vier Abschiebungen. Seit dem Start des neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) im Juni 2026 hat Deutschland nur vier Asylbewerber nach Italien und Griechenland zurückgebracht: zwei in jedes der beiden Länder.
Diese Zahlen hat das Bundesinnenministerium auf eine Anfrage der AfD genannt. Dabei hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Hunderten Fällen festgestellt, dass Italien oder Griechenland zuständig ist. Laut AfD rückte das Ministerium die Zahlen erst nach mehreren Nachfragen heraus.
Ministerium bleibt Antworten schuldig
Woran die Überstellungen scheitern, ließ das Haus von Alexander Dobrindt (CSU) zunächst offen. Unbeantwortet blieb auch, wie künftig deutlich mehr Menschen in die beiden Länder zurückgebracht werden sollen.
Der Kern des Problems: Geas soll Einreise und Asyl strenger regeln und zugleich Ankunftsländer wie Italien und Griechenland entlasten. Deutschland will aber gerade dorthin mehr Menschen zurückschicken. Diese Ziele beißen sich.
CDU-Politiker will notfalls ein Verfahren
In der Union ist der Druck groß. Kanzler Friedrich Merz hat die Migration ganz oben auf seine Agenda gesetzt. Detlef Seif, in der Unionsfraktion Fachmann für die europäische Asyl- und Migrationswende, nimmt dabei auch Brüssel in die Verantwortung, konkret die EU-Kommission.
Nach Seifs Darstellung hat Rom im Grundsatz zugestimmt, Rückführungen aus Deutschland zuzulassen. Die italienische Seite verweise aber darauf, dass deutsche Hilfsorganisationen zusätzliche Migranten an Land bringen. Diesen Einwand kann Seif nach eigenen Worten gut nachvollziehen.
Bleibt Italien bei seiner Weigerung, soll aus seiner Sicht trotzdem ein Vertragsverletzungsverfahren folgen. Zunächst aber sollen Dobrindt und sein italienischer Amtskollege Matteo Piantedosi weiter miteinander reden.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.






