DÜNGER-SCHOCK

Dünger-Preise schießen hoch: Kommt der Aufschlag bald im Supermarkt an?

Stickstoffdünger kostet viel mehr als früher, viele Bauern sparen schon – Verbraucher könnten das bald an der Kasse spüren.

Dirk Muchow·
Traktor mit Düngerstreuer fährt über ein grünes Weizenfeld
Global map of countries by fertilizer consumption · Lizenz: CC BY 4.0 · Bild: Our World in Data / Wikimedia Commons, Fertilizer consumption.png

Noch ist es ruhig an der Supermarktkasse. Nahrungsmittel kosteten im September nur 0,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Inflation liegt dagegen bei 3,3 Prozent. Treiber sind die Energiepreise mit einem Plus von 15 Prozent. Auf den Äckern zieht aber etwas auf.

Stickstoffdünger war im April nach Zahlen der EU-Kommission 40 Prozent teurer als im Dezember 2025. Er lag damit rund 70 Prozent über dem Schnitt von 2024. Seit dem Spätsommer klettern die Preise wieder.

Krieg und Gas treiben die Kosten

Hauptgrund ist der Irankrieg. Laut der Welternährungsorganisation FAO laufen 20 bis 30 Prozent des weltweiten Düngerhandels durch die Straße von Hormus. Dazu kommt das Erdgas. Es macht 70 bis 80 Prozent der Herstellungskosten aus. Die Megawattstunde kostete im Februar 33,7 Euro, im Oktober an der Börse TTF schon 76 Euro.

Für die Bauern wird es eng. Für ein Kilo Stickstoff müssen sie heute rund acht Kilo Brotweizen verkaufen. Früher reichten gut fünf. In einer Branchenumfrage gab ein Drittel an, in diesem Jahr auf die dritte Stickstoffgabe verzichtet zu haben.

Auch die Lager sind dünn. Laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hatten die Betriebe Anfang September erst 10 bis 30 Prozent ihres Stickstoffs für die nächste Saison eingelagert. Normal sind 40 bis 45 Prozent.

Weniger Ware droht

Die FAO warnt vor geringeren Erträgen und knapperen Lebensmitteln bis ins nächste Jahr. Beim Brot dürfte der Effekt begrenzt bleiben, bei Kartoffeln könnte er stärker durchschlagen. Das größere Risiko dürfte die Menge sein: wenn Höfe weniger produzieren oder ganz aufgeben.

Die EU gibt 540 Millionen Euro aus ihrer Agrarreserve frei, gut 60 Millionen davon für Deutschland. Die Bundesregierung will das Geld als Hektarprämie an Betriebe zahlen, deren Kosten für Dünger oder Diesel stark gestiegen sind.

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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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