ABBAU BEI TAMEDIA

Schweizer Medienriese Tamedia streicht 41 Stellen – und setzt auf KI

Der Schweizer Konzern baut erneut Personal ab, auch in der Kultur – gleichzeitig wächst die Rolle der künstlichen Intelligenz.

Dirk Muchow·
Bürogebäude des Medienkonzerns Tamedia in Zürich mit Firmenschriftzug an der Fassade
Euchloe tagis castillana - Dorsal side · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Didier Descouens / Wikimedia Commons, (MHNT) Euchloe tagis castillana - Huesca Candasnos Espagne - male dorsal.jpg

Wieder Stellenabbau beim Schweizer Medienhaus Tamedia: Zum Konzern gehören der Tages-Anzeiger und die Basler Zeitung. Jetzt fallen 41 Stellen weg. Insgesamt arbeiten dort rund 1300 Menschen. Betroffene sprechen von der siebten Abbaurunde in sechs Jahren.

Bis Ende September 2026 galt für Journalisten ein Entlassungsstopp. Nur fünf Tage danach kamen die Kündigungen. Beschäftigte haben gegen den Abbau protestiert. Ein Grund für die Empörung: Es fehle eine Vision für den Journalismus der Zukunft.

Die Kultur trifft es hart

Besonders betroffen ist die Kultur. Nach Darstellung von Betroffenen hat der traditionsreiche Tages-Anzeiger danach keine eigene Kulturredaktion mehr. Das Unternehmen verweist auf den Druck in der Branche: Die Nutzung wandert auf digitale Plattformen, Einnahmen und Organisation passen nicht mehr zusammen.

Eine betroffene Redakteurin hält dagegen: Tamedia verdiene weiter Geld. 2025 lag die Gewinnmarge bei 3 Prozent, angepeilt sind 8 bis 10 Prozent. Statt in Journalismus zu investieren, gehe es um mehr Rendite.

Streit um die KI-Kennzeichnung

Gleichzeitig setzt der Konzern stärker auf KI. Laut einem Bericht vom März darf sie nach den internen Regeln an jedem Text mitschreiben, meist ohne Hinweis für die Leser. Selbst ein KI-Anteil von bis zu 95 Prozent müsse nicht gekennzeichnet werden, soll die KI-Chefin intern erklärt haben.

Tamedia sieht das anders: Die 95 Prozent bezögen sich auf Hilfe bei Recherche, Gliederung oder Formulierung, nicht auf Text, den die Maschine schreibt. Meldungen, die komplett von KI stammen, etwa aus Gemeindemitteilungen, würden ausgewiesen.

Der Luzerner Ethikprofessor Peter G. Kirchschläger, der auch den Papst zu KI berät, warnt: Solche Systeme wiederholen vor allem Bekanntes, Neues entsteht kaum. Außerdem liegt die Technik in den Händen weniger Konzerne aus den USA und China.

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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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