DUNKELFLAUTE

Kein Wind, keine Sonne: Börsenstrom springt von 13 auf über 300 Euro

Wind und Sonne fallen aus, teure Gaskraftwerke müssen ran, und der Großhandelspreis für Strom schießt binnen weniger Tage in die Höhe.

Dirk Muchow·
Trees in the Westrup Heath (in the morning light), Haltern am See, North Rhine-Westphalia, GermanyThe Westrup Heath (sometimes referred to locally as the “Flaes
Trees in the Westrup Heath (in the morning light), Haltern am See, North Rhine-Westphalia, GermanyThe Westrup Heath (sometimes referred to l · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons, Haltern am See, Westruper Heide -- 2024 -- 5626.jpg

Was für ein Preissprung! Am Sonntag kostete eine Megawattstunde Strom im deutschen Großhandel zeitweise nur 13 Euro. Für Lieferungen am Donnerstag lag der Day-Ahead-Preis bei mehr als 300 Euro. In einzelnen Abendstunden wurden sogar über 500 Euro fällig. Die 300 Euro sind etwa doppelt so viel wie im bisherigen Oktober-Schnitt.

Kaum Wind, dichter Nebel

Auslöser ist die erste längere Dunkelflaute der Heizsaison. Ein Hochdruckgebiet hängt über Deutschland fest. Laut Deutschem Wetterdienst bewegt es sich kaum und bringt vielerorts Nebel. Es ist kühl, bewölkt und fast windstill. Die Windräder sollen bis in die nächste Woche im Tagesmittel unter sieben Gigawatt liefern. Das wäre weniger als die Hälfte des bisherigen Jahresschnitts.

Wie lange das so bleibt, ist offen. Das Hoch könnte sich bis in die kommende Woche halten, die Vorhersage gilt aber als unsicher. Gleichzeitig sinken die Temperaturen, und der Heizbedarf steigt.

Gas treibt den Preis

Die Lücke füllen vor allem Gaskraftwerke. Und die sind teuer. Im europäischen Strommarkt bestimmt oft das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Börsenpreis. So kann Gas auch den Preis für Strom aus billigeren Quellen hochziehen. Der europäische Gaspreis hat zudem erstmals seit der Energiekrise 2022 die Marke von 100 Euro je Megawattstunde übersprungen.

Dazu kommen schwache Gasspeicher. Am Dienstag waren die deutschen laut Gas Infrastructure Europe zu 61,65 Prozent gefüllt, die italienischen zu rund 90 Prozent. Der größte deutsche Speicher in Rehden in Niedersachsen stand am 21. Oktober bei nur 18 Prozent. Ein Engpass folgt daraus nicht automatisch. Die Reserven für lange Kälteperioden fallen aber kleiner aus.

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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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