GAS-ALARM
Speicher zu schwach gefüllt: EU-Behörde hält Gas-Sparpflicht im Winter für möglich
Deutschlands Gasspeicher liegen zurück, die LNG-Lieferungen sinken: Die EU-Regulierungsbehörde ACER nennt eine Pflicht zum Gassparen als mögliche Maßnahme.

Europa geht mit dünnen Gasreserven in den Winter, und Deutschland steht besonders schlecht da. Die EU-Regulierungsbehörde ACER hat in ihrem neuen Gasmarktbericht ausgerechnet, wie viel Flüssiggas fehlt. Das Ergebnis klingt nicht nach Entwarnung.
Deutschland hinkt hinterher
Am Dienstag waren die deutschen Speicher erst zu 61,65 Prozent gefüllt. Italien kommt auf rund 90 Prozent. Rehden ist der größte Speicher Deutschlands. Er war am 21. Oktober nur zu 18 Prozent voll. Der EU-Schnitt lag am selben Tag bei 75 Prozent. Am Montag stieg der Gaspreis zeitweise über 97 Euro je Megawattstunde.
Rekordbedarf an Flüssiggas
Im Basisszenario von ACER braucht die EU rund 900 Terawattstunden LNG. Das sind etwa 78 Milliarden Kubikmeter Gas. Der Bedarf liegt damit elf Prozent über dem höchsten Wert der vergangenen fünf Winter.
Doch die EU hat im Sommer rund 14 Prozent weniger LNG eingeführt. Lieferungen aus Katar fallen wegen des Iran-Kriegs und der Störungen an der Straße von Hormus aus. Viele Tanker haben ihren Kurs nach Asien geändert, weil dort höhere Preise gezahlt werden.
Sparen per Vorschrift?
Kommt nur so viel LNG wie im Schnitt der Vorjahre, müsste die EU rund sechs Prozent weniger Gas verbrauchen als im letzten Winter. Nur so würde die Heizsaison mit 20 Prozent Füllstand enden. Mildes Wetter oder hohe Preise könnten den Verbrauch senken. ACER nennt aber auch Einschränkungen per Pflicht als mögliche Maßnahme.
EU-Kommissar Jørgensen spricht schon jetzt von einer neuen Energiekrise in Europa.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.





