EU UND KANADA
Merz gegen von der Leyen: Wortstreit um Kanadas EU-Status
EU und Kanada schmieden in Montreal eine Allianz, doch beim Namen dafür liegen Kanzler Merz und Ursula von der Leyen über Kreuz.

Die EU und Kanada rücken zusammen, doch beim Namen dafür hakt es. Zum Ende ihres zweitägigen Gipfels in Montreal wollen beide Seiten heute eine lange Liste gemeinsamer Projekte festzurren. Der Hintergrund: Die Politik von US-Präsident Donald Trump hat das Vertrauen von Europäern und Kanadiern in die USA erschüttert.
Kanzler Friedrich Merz ist auf Asienreise und nicht vor Ort. Er spricht von einer „Allianz für die Zukunft“. Den Begriff „assoziierte Mitgliedschaft“ lehnt er weiter ab. Genau daran hält EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen aber fest. Ihr Ziel: eine „Assoziierung ohne Beitritt“.
Im Entwurf der Abschlusserklärung fehlt das umstrittene Wort inzwischen. Berlin stört unter anderem, dass der Begriff schon für die Ukraine genutzt wird. Aus deutscher Sicht hätte vorher mit den Mitgliedstaaten gesprochen werden müssen.
Was konkret geplant ist:
- Energie: eine Machbarkeitsstudie für Flüssiggas-Lieferungen nach Europa.
- Rohstoffe: leichtere EU-Investitionen in kanadische Vorkommen wie seltene Erden.
- Handel und Digitales: weniger Hürden, ein Digitalhandelsabkommen, enge Abstimmung bei KI.
- Sicherheit: mehr Zusammenarbeit bei Verteidigung und Cyberabwehr, gemeinsame Hilfe für die Ukraine.
Bis zum nächsten Gipfel 2027 soll ein Konzept für eine engere Anbindung stehen, eine Vollmitgliedschaft ist nicht vorgesehen. Trump nannte die Idee lächerlich und drohte Europa mit sehr ernsten Zöllen, falls er darin einen feindseligen Akt sieht.
Sie wollen solche Hintergründe jeden Morgen ohne Umweg? Abonnieren Sie den KLARTEXT-Newsletter: kostenlos und unabhängig.
Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.








