KI-ÜBERWACHUNG
Kottbusser Tor: Ab November schlägt eine KI bei Prügeleien Alarm
30 Kameras für 1,9 Millionen Euro: Am Berliner Kottbusser Tor soll künstliche Intelligenz Schläge und Tritte erkennen.

Am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg schaut ab Anfang November eine künstliche Intelligenz mit. 30 Kameras an 15 Standorten, Kosten: 1,9 Millionen Euro. Vier Wochen lang läuft der Probebetrieb rund um die Uhr. Die Polizei nennt das System das modernste in ganz Deutschland.
Der Grund: Der Platz gehört zu den Orten in der Hauptstadt mit der meisten Kriminalität. Drogen, Diebstahl, Raub, Prügeleien. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) spricht von mehr als 900 erfassten Straftaten in zwölf Monaten, über 300 davon körperliche Angriffe. Seit Februar 2025 hat die Polizei dort sogar eine eigene Nebenwache.
So arbeitet die Software
Die KI ist auf Schläge, Tritte und am Boden liegende Menschen trainiert. Erkennt eine Kamera so ein Muster, ertönt in der Wache ein Signal, ein Monitor springt an. Dann entscheiden Beamte, ob sie Kräfte losschicken. 20 Polizisten sind geschult. Weitere Muster wären technisch möglich. Geplant ist das laut Projektleiter Markus van Stegen derzeit nicht.
Hamburg als Warnung
In Hamburg ging ein ähnliches Projekt daneben: 1400 Alarme, rund 99 Prozent davon falsch. Van Stegen ist überzeugt, dass Berlin solche Zahlen nicht erreicht. Weitere Kameras sind am Görlitzer Park und an der Warschauer Brücke geplant.
Klage läuft
Möglich macht das eine Änderung des Berliner Polizeigesetzes ASOG, die CDU und SPD im Dezember 2025 beschlossen haben. Die Fraktionen von Linken und Grünen im Abgeordnetenhaus halten das Gesetz für verfassungswidrig und klagen vor dem Berliner Verfassungsgerichtshof. Spranger rechnet fest damit, dass es hält. Vor der Wache protestierten rund ein Dutzend Gegner.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.








