TERROR-STUDIE

Experten: CSD-Anschlag in Berlin hätte verhindert werden können

Zwei Terrorforscher werfen deutschen Sicherheitsbehörden und der Justiz in einer Studie aus West Point schwere Fehler vor dem tödlichen Angriff auf den Berliner CSD vor.

Dirk Muchow·
Christopher Street Day am 27. Juli 2019 in Berlin.
Christopher Street Day am 27. Juli 2019 in Berlin. · Lizenz: CC0 · Bild: Leonhard Lenz / Wikimedia Commons, Christopher Street Day Berlin 2019 105.jpg

Eine Tote, mehr als 30 Verletzte – und ein Angreifer, den die Behörden seit Jahren kannten. Beim Anschlag auf den Christopher Street Day im Berliner Tiergarten starb am 25. Juli eine 65-jährige Polin. Der Täter war ein Islamist, eingestuft als Höchstgefährder.

Jetzt liegt eine Studie dazu vor, die es in sich hat. Geschrieben haben sie zwei Terrorforscher: der Österreicher Nikolaus Stockhammer, Leiter des Zentrums für Terrorismus- und Extremismusforschung an der Donau-Universität Krems, und der US-Experte Adrian Shtuni. Herausgegeben hat sie das Combating Terrorism Center der US-Militärakademie West Point.

Die Autoren sprechen von einem Systemversagen der deutschen Behörden. Nach Stockhammers Einschätzung wurden die Warnzeichen erkannt, aber nicht zusammengeführt. Folgerungen und Maßnahmen blieben aus. Hätte man die Spuren verbunden, wäre die Tat aus seiner Sicht zu verhindern gewesen.

Verurteilt – und trotzdem frei

Der Mann stand seit seinem 16. Lebensjahr unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und war wegen Körperverletzung vorbestraft. Im Mai 2026 bekam er nach einer abgebrochenen Dschihad-Reise in den Libanon 22 Monate Jugendstrafe. Weil die Staatsanwaltschaft Berufung einlegte, war das Urteil nicht rechtskräftig. Der Haftbefehl wurde unter Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Es gab ein Deradikalisierungsprogramm, zeitweise eine Überwachung durch das LKA und zeitweise eine Kamera an seiner Unterkunft. Trotzdem war er zur Tatzeit frei und unbeobachtet. Er konnte einen Kastenwagen mieten und an das Fest heranfahren.

Experte fordert harte Konsequenzen

Laut Stockhammer sieht Shtuni ein Muster: In Ländern wie Deutschland und Österreich kämen Dschihadisten systematisch mit milderen Strafen davon als anderswo. Stockhammer fordert deshalb, in Deutschland ernsthaft über Präventivhaft, Fußfesseln und Sicherungsverwahrung für solche Gefährder zu reden.

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