CYBER-ALARM

Falsche Kontonummer, echtes Geld weg: So rüsten Kommunen gegen Cyber-Betrüger auf

Täuschend echte Rechnung, falsche Kontonummer: Weil Betrüger die Ämter immer öfter austricksen, setzen Kommunen auf geschultes Personal und neue Regeln.

Dirk Muchow·
Erlöserkirche (Marquartstein)
Erlöserkirche (Marquartstein) · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Cmcmcm1 / Wikimedia Commons, Marquartstein, Erlöserkirche (2).jpg

Die Rechnung stimmt. Die Leistung stimmt. Nur das Konto gehört Kriminellen. Auf eine solche Masche ist schon eine Gemeinde im Landkreis Traunstein hereingefallen. Der Schaden: zwischen 80.000 und 140.000 Euro. Solche Fälle werden häufiger. Die Kommunen stellen sich deshalb neu auf.

So läuft die Masche

Die Täter beschaffen sich Daten von Geschäftspartnern der Ämter. Im schlimmsten Fall dringen sie in deren IT ein und schreiben die Gemeinde dann von der echten Adresse aus an. Claus Hofmann, Beauftragter für Cybersicherheit im Landratsamt Traunstein, nennt als Beispiel einen Schulbus-Unternehmer: Alles passt, nur die Kontonummer nicht.

Die größte Schwachstelle ist für Hofmann der Mensch. Er schätzt, dass neun von zehn erfolgreichen Angriffen über Mitarbeiter laufen. Gefälschte Mails entstehen inzwischen mit KI, automatisch und ohne Fehler. Die Lehre im Landkreis: Ändert ein Geschäftspartner seine Bankdaten, müssen die Mitarbeiter jetzt zum Telefon greifen und nachfragen.

Im Ernstfall: Stecker ziehen

In Marquartstein gilt eine klare Anweisung: Deutet etwas auf einen Erpresser-Angriff hin, der alle Dateien verschlüsselt, ziehen die Mitarbeiter sofort den Netzwerkstecker. Danach müsste das System aus dem Backup neu aufgesetzt werden. Einen Notbetrieb hält Bürgermeister Andreas Scheck innerhalb von zwei Tagen für realistisch. Der Normalbetrieb würde ein paar Tage dauern.

Am Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Nürnberg greifen Fachleute Städte und Gemeinden zum Test selbst an. Referatsleiter Pierre Reuter warnt: Mit KI-Werkzeugen brauchen Angreifer kaum noch Fachwissen, und Lücken sprechen sich schneller herum. Immer wieder stoßen seine Leute auf veraltete Software. Sein Rat an Ämter und Firmen: Updates ernst nehmen.

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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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