KI-BETRUG
Bots hörten seine KI-Songs: 18 Monate Haft für US-Produzenten
Ein US-Produzent ließ seine KI-Songs von Bots rund um die Uhr abspielen und muss dafür nun ins Gefängnis und gut acht Millionen Dollar zurückzahlen.

Die Songs entstanden mit KI, gehört haben sie vor allem Maschinen. Jetzt kommt die Rechnung: Ein New Yorker Gericht hat einen US-Produzenten zu 18 Monaten Haft verurteilt. Dazu muss er seinen Gewinn von gut acht Millionen Dollar zurückzahlen.
So lief die Masche
Der Mann, früher Juror einer Hip-Hop-Talentshow, ließ mit Hilfe von KI massenhaft Songs erstellen. Die stellte er bei Spotify und anderen Streamingdiensten ein. Dann schloss er zahlreiche Familien-Abos ab. Eine Armee von Bots spielte seine Titel rund um die Uhr ab.
Nach Recherchen eines Musikmagazins nutzte er 1.040 Konten. Über jedes liefen täglich rund 636 seiner Songs. Macht 661.440 Streams am Tag. Möglicher Ertrag: gut 3.300 Dollar täglich, mehr als 1,2 Millionen Dollar im Jahr.
Riesiger Geldtopf
Das Ziel war verlockend. Spotify zählt rund 780 Millionen aktive Nutzer, etwa 300 Millionen davon zahlen für Premium. Der Jahresumsatz liegt bei rund 17,2 Milliarden Euro. Jeden Tag kommen etwa 100.000 neue Songs dazu.
Warum die Branche jubelt
Die Musikindustrie begrüßt das Urteil. Ein Kommentar sieht den Grund darin, dass gekaufte Bot-Streams längst genutzt würden, um Songs in die Charts zu schieben. Ob das strafbar ist, sei lange fraglich gewesen. Nun gebe es ein Urteil, auf das sich die Branche berufen kann.
Derselbe Kommentar stellt aber auch eine unbequeme Frage: Wer wurde eigentlich betrogen? Spotify zahlt keinen festen Satz pro Stream, sondern verteilt einen Topf. Den Schaden hätten deshalb vor allem andere Musiker, deren Anteil etwas kleiner ausfiel.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.







