AMTHOR

Amthor liefert mit Strandkorb und Schulterklopfen Bilder, die die CDU nie loswird

Philipp Amthor produziert in der ZDF-Doku Inside CDU Szenen, die seiner Partei dauerhaft schaden – und Friedrich Merz sieht zu.

Dirk Muchow··5 Min. Lesezeit
Philipp Amthor auf dem CDU Parteitag 2019 am 22. November 2019 in Leipzig.
Philipp Amthor auf dem CDU Parteitag 2019 am 22. November 2019 in Leipzig. · Lizenz: CC BY-SA 3.0 de · Bild: Olaf Kosinsky / Wikimedia Commons, 2019-11-23 Philipp Amthor CDU Parteitag by OlafKosinsky MG 6321.jpg

Philipp Amthor wird diese Bilder politisch nicht überleben. Der Staatsminister im Kanzleramt hat sich für die ZDF-Dokumentation Inside CDU filmen lassen und dabei Szenen geliefert, die seine Partei nie wieder loswird. Die Feinde, die er sich in der CDU aufgebaut hat, warten. Der Groll in der Partei ist grenzenlos.

Keiner in der CDU hat Verständnis dafür, dass dieser Emporkömmling die Partei so beschädigt hat. Und die Verantwortung dafür trägt nicht nur er selbst. Sie trägt Friedrich Merz.

Die Dame schüttelt den Kopf

Schauen wir uns die Szenen genau an. Amthor redet, und im Bild schüttelt eine ältere Dame den Kopf. Er sagt in dieser Sequenz den Satz, wer außer der CDU es denn schaffen soll. Die Reaktion im Hintergrund sagt mehr als jede Analyse.

Dann die nächste Unart. Amthor steht vor einem sichtlich älteren Mann, ich schätze ihn auf 60 bis 65 Jahre. Amthor trägt weiße Manschettenknöpfe. Und er haut ihm auf die Schulter. Das macht er regelmäßig.

Ein 33-Jähriger, unerfahren, klopft Männern auf die Schulter, die rund 30 Jahre älter sind. Das ist keine anerkennende Geste. Das ist abwertend. Ich hätte mir das im Leben nicht gewagt, so etwas bei älteren Menschen zu machen.

Der Strandkorb in der Wirtschaftskrise

Dasselbe beim Lieferanten. Der Strandkorb wird auf den Balkon gebracht, Amthor nimmt ihn in Empfang, prüft noch die Verarbeitung – und klopft dem Mann auf den Rücken. Was für eine Anerkennung.

Man muss sich das vor Augen halten. Deutschland steckt in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, wahrscheinlich der schlimmsten seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Mann kommt ins Bundeskanzleramt, in ein Amt, dessen Vergabe an ihn sowieso niemand nachvollziehen kann, weil die Qualifikation fehlt. Und das Erste, was er tut: Er bestellt sich einen Strandkorb.

Ob der 1.000 Euro gekostet hat oder 5.000 Euro, ist völlig egal. Er ist empathielos und hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Dazu das riesige Büro, das er stolz präsentiert, mit einer Sitzgarnitur für 30.000 Euro. Komplett irre.

Schröder wusste, wie man auftritt

Es gibt Vergleiche, die das Ausmaß zeigen. Gerhard Schröder hätte die Wahl 2002 nicht gewonnen, wenn er sich in der Krise mit Manschettenknöpfen hingestellt hätte. Er hatte seine Brioni-Anzüge, natürlich. Aber er wusste, was man wann und wo macht. Er ist mit Gummistiefeln in die Flut gestiefelt.

Armin Laschet ist 2021 über sein Lachen im Ahrtal gefallen. Ein einziger Moment, eine einzige Aufnahme. Die Schnösel, die jetzt im Kanzleramt sitzen, haben das nicht verstanden.

Wer sich selber nicht führen kann, kann auch keine anderen Menschen führen.

Dazu die Szene in der Maske bei der Kosmetikerin, die ihn fürs Studio zurechtmacht. Er tritt überall ins Fettnäpfchen. Und dann der Auftritt mit dem Fußball, bei dem er auf Knopfdruck plötzlich das Trikot der Nationalmannschaft trägt und wie ein stolzer Gockel davonstolziert.

Niemand hat das Material gesichtet

Dieser Werbespot wird die CDU nie wieder verlassen. Diese Szenen verfolgen die Partei bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Ein völlig unnötiger Malus, selbst produziert.

Vor allem: Warum gibt man einem Kamerateam so tiefe Einblicke in einer Zeit, in der genau das problematisch ist? Man kann sagen, beobachtet mich im Büro bei der Arbeit. Aber ein Kamerateam dauerhaft mitlaufen lassen, das geht nicht.

Das erinnert an 2017, als die SPD-Spitze um Martin Schulz auf einer Zugfahrt fotografiert wurde, zu viert, erschöpft und resigniert. Dieses Bild wurde sinnbildlich für den ganzen Wahlkampf. Und der ging komplett in die Hose.

Wer so eine Kampagne aufsetzt, muss sagen: Ich will das gesamte Material sichten, sonst passiert hier nichts. Stattdessen hat man geglaubt, das ZDF sei ein Freund. Die Fernsehleute werden sich kaputtgelacht haben, als sie die Szenen gesehen haben. Sie wissen genau, wie man schneidet. Wenn man bedenkt, dass selbst beim ZDF rund 41 Prozent der Redakteure und Mitarbeiter grün wählen, weiß man, dass man auf der Hut sein muss. Freie Hand kann man da nicht geben. Und genau das kommt dabei heraus.

Wer außer uns?

Bleibt sein Satz: Wer außer uns kann diese Probleme in Deutschland lösen? Amthor hat nicht verstanden, dass die CDU diese Probleme in den letzten 20 Jahren selbst verursacht hat. Lassen wir die SPD einmal außen vor. Merkel hat Deutschland zerstört, sie hat die Kernkraftwerke zerstört und den Atomausstieg beschlossen. Bei Amthor ist das offenbar nie angekommen.

Führungsversagen von Merz

Am Ende ist das alles ein Führungsversagen von Friedrich Merz. Wenn ich weiß, dass so eine Reportage gedreht wird, dann habe ich ein Auge darauf. Dann sage ich: Ich möchte die Szenen sehen. Es geht nichts ohne mich.

Wenn die Leute unter mir versagen, hat immer der Chef Schuld. Die unteren Leute verlieren zwar ihren Job, aber entscheidend ist immer der Chef. Ich sage das seit Monaten in meinen Videos: Friedrich Merz ist keine Führungsfigur. Merz kann nicht führen. Und wer sich selbst nicht führen kann, kann auch andere nicht führen.

Dann passiert genau das, was wir hier sehen. Ein Paradebeispiel für Führungsversagen.

Standbild aus dem Video: Amthor liefert mit Strandkorb und Schulterklopfen Bilder, die die CDU nie loswird
Das Video zum Beitrag auf KLARTEXT TV · 11:05 Min.
Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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