FRANKREICH
Nach wochenlangen Schülerprotesten: Paris macht Milliarden-Zugeständnisse
Mehr Geld, mehr Lehrer, Aus für Parcoursup: Frankreichs Regierung geht auf die Schüler zu, doch die wollen am Samstag wieder demonstrieren.

Nach Wochen voller Wut auf der Straße lenkt Frankreichs Regierung ein. Sie verspricht Milliarden für marode Schulen, neue Lehrerstellen und das Aus für die umstrittene Uni-Vergabeplattform Parcoursup. Die Jugend gibt sich damit aber nicht zufrieden.
Das Paket
Bis 2030 sollen Kommunen vergünstigte Kredite über vier Milliarden Euro bekommen, um Gymnasien zu sanieren. Für die Renovierung von Universitäten kommt bis 2029 eine weitere Milliarde dazu. Bildungsminister Édouard Geffray stoppt außerdem 836 geplante Stellenstreichungen und schafft 500 neue Lehrerposten an den Oberstufen.
In der zehnten Klasse soll die Klassenstärke schrittweise auf 28 Schüler sinken, zuerst an der schlechter gestellten Hälfte der Lycées. Parcoursup soll bis dahin transparenter werden und 2028 einem neuen System weichen. Absagen müssen künftig begründet werden, kündigte Hochschulminister Philippe Baptiste an.
Zu wenig für die Straße
Die Schülervertreter sprechen von ersten Erfolgen. Doch sie wollen mehr: Statt der angebotenen 15.000 zusätzlichen Studienplätze fordern sie 250.000, damit niemand mehr aussortiert wird. Am kommenden Samstag wollen Schüler und Studenten erneut demonstrieren.
Auch aus den Regionen kommt Kritik. Der Vizepräsident der Region Okzitanien, Kamel Chibli, hält die Kredite für den falschen Weg. Er verlangt einen eigenen Fonds für die energetische Sanierung der Schulgebäude.
Mitte Oktober waren die Proteste in mehreren Städten eskaliert: Brände, Plünderungen, Zusammenstöße mit der Polizei, viele Festnahmen. Längst geht es auch um die hohen Lebenshaltungskosten. Präsident Emmanuel Macron warnt vor Gefahren am Samstag und fordert, Demos außerhalb der Innenstädte abzuhalten.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.







