TODES-CRASH

Funk-Mitschnitte: Leitstelle schickte Zug mit Tempo los – vorne stand ein anderer

Veröffentlichten Funkmitschnitten zufolge schickte die Leitstelle einen Schnellzug mit Normaltempo los, obwohl vorne ein Zug stand – mindestens 69 Tote.

Dirk Muchow·
Hochgeschwindigkeitszug der spanischen Staatsbahn Renfe auf einer Strecke in Spanien
RENFE's AVE 394 Barcelona - Sevilla passes us at about 300 km/h on the LAV (Línea de alta velocidad) Barcelona - Madrid. Picture taken near · Lizenz: CC BY-SA 3.0 · Bild: Kabelleger / David Gubler (http://www.bahnbilder.ch) / Wikimedia Commons, RENFE Class 103 Vinaixa.jpg

Spanien steht unter Schock. Bei Urda in der Provinz Toledo, 118 Kilometer südlich von Madrid, raste am Mittwochmorgen ein Hochgeschwindigkeitszug der Staatsbahn Renfe mit rund 200 km/h in einen stehenden Zug des Privatanbieters Iryo. Mindestens 69 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. In beiden Zügen saßen zusammen mehr als 540 Fahrgäste.

Computer fiel aus

Gegen 8.30 Uhr fiel das automatische Leitsystem auf einem Teil der Strecke Madrid–Sevilla aus. Sechs Züge stoppten. Die Leitstelle in Madrid übernahm per Funk. Nach Mitschnitten, die spanische Medien veröffentlicht haben, sollte der Renfe-Lokführer mit normaler Geschwindigkeit weiterfahren. Er fragte ausdrücklich nach. Die Leitstelle bestätigte.

Fachleuten zufolge sind nach einem solchen Ausfall höchstens 40 km/h auf Sicht erlaubt. Rund 25 Kilometer voraus stand der Iryo-Zug. Wenige Minuten nach der Anweisung an den Renfe-Zug meldete sich die Lokführerin des Iryo-Zugs bei der Leitstelle; später gab sie durch, dass ihr Zug nicht anfuhr. 17 Minuten nach der Anweisung krachte es.

Minister: unerklärlich

Verkehrsminister Óscar Puente nannte die Entscheidung der Leitstelle unerklärlich. Ob tatsächlich menschliches Versagen vorlag, müsse aber die Untersuchung klären. Die Unfallermittler halten es für viel zu früh, Ursachen festzulegen. Gewerkschaften warnen davor, die Schuld einem einzelnen Mitarbeiter zuzuschieben.

Es ist bereits das zweite schwere Unglück auf dieser Strecke in diesem Jahr: Im Januar starben bei Adamuz 46 Menschen. Einen Monat vor der Neuwahl am 29. November wächst der Druck auf Regierungschef Pedro Sánchez.

Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo verlangt, dass die Regierung politische Verantwortung übernimmt. In Madrid protestierten rund 1.500 Menschen vor dem Verkehrsministerium. Die Polizei setzte Tränengas ein.

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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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