ZUG-DRAMA
68 Tote in Spanien: Leitstelle soll Todeszug freie Fahrt gegeben haben
Bei Toledo rast ein Hochgeschwindigkeitszug in einen stehenden Zug, ersten Erkenntnissen zufolge nach einer falschen Freigabe der Leitstelle.

Schwarzer Mittwoch für Spanien: Mindestens 68 Menschen sind bei einem Zugunglück in der Provinz Toledo ums Leben gekommen, mehr als 100 wurden verletzt. Die Behörden rechnen damit, dass die Zahl der Toten weiter steigt.
Gegen 9 Uhr prallte ein Zug der Staatsbahn Renfe mit 397 Fahrgästen zwischen Mora und Orgaz, rund 140 Kilometer südlich von Madrid, auf einen stehenden Zug des Privatanbieters Iryo mit 147 Passagieren. Beide waren von Madrid Richtung Andalusien unterwegs. Mehrere Waggons stürzten einen Bahndamm hinunter, einer fing Feuer.
Freie Fahrt statt Tempo 40
Ersten Erkenntnissen zufolge fiel um 8.30 Uhr das automatische Sicherungssystem auf dem Abschnitt aus. Die Leitstelle in Madrid übernahm. Ein Mitarbeiter des Netzbetreibers Adif soll dem Renfe-Zug dann die Weiterfahrt mit normalem Tempo erlaubt haben. Vorgeschrieben sind in so einem Fall höchstens 40 Kilometer pro Stunde.
Verkehrsminister Óscar Puente spricht von menschlichem Versagen und hält die Freigabe für nicht erklärbar. Der Mitarbeiter lässt sich inzwischen von einem Anwalt vertreten. Ermittelt wird auch, warum Kollegen und Vorgesetzte nicht eingriffen. Die Gewerkschaft CSIF fordert Puentes Rücktritt und wirft ihm vor, einen Sündenbock zu suchen.
Zweites Unglück in einem Jahr
Erst im Januar starben bei Adamuz in Andalusien 46 Menschen bei einem Zugunglück auf derselben Linie. Regierungschef Pedro Sánchez hält zwei schwere Unglücke in einem Jahr für nicht hinnehmbar und ordnete drei Tage Staatstrauer an. Fast alle Parteien sagten Wahlkampftermine ab, nur Vox nicht. Am 29. November wählt Spanien ein neues Parlament.
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich tief betroffen, auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus.
Sie wollen solche Nachrichten ohne Umweg? Abonnieren Sie den Newsletter von Dirk Muchow Klartext und unterstützen Sie unabhängigen Journalismus ohne Rundfunkbeitrag.
Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.








