PUTIN-TELEFONAT
90 Minuten mit Putin: Finnland und Norwegen telefonieren – Kritik aus Dänemark und Schweden
Finnlands Präsident Stubb und Norwegens Regierungschef Støre haben 90 Minuten mit Putin gesprochen – nicht alle Partner in Europa finden das gut.

Überraschungsanruf im Kreml! Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre haben am Dienstag gemeinsam mit Wladimir Putin telefoniert. 90 Minuten lang, von Helsinki aus. Vorher angekündigt hatte das niemand.
Es ist der erste direkte Draht europäischer Spitzenpolitiker zu Putin seit dem Gespräch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Jahr 2025.
Worum es ging
Die beiden Nachbarn Russlands wollten Putin nach eigenen Angaben direkt Botschaften für künftige Friedensverhandlungen übermitteln. Anfang November sollen in Abu Dhabi Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA stattfinden. Stubb und Støre betonen: Sie sprachen nur für ihre eigenen Länder, nicht für ganz Europa.
Einen Durchbruch gab es nicht. Støre räumte große Meinungsunterschiede ein. Putin bestand laut Kreml darauf, dass ein Frieden nur möglich sei, wenn Russlands Interessen voll berücksichtigt würden. Berichten zufolge hielt er einen langen Vortrag über Geschichte. Immerhin: Alle drei wollen telefonisch in Kontakt bleiben.
Lob aus Kiew, Kritik aus dem Norden
Die Ukraine war nach Stubbs Angaben in die Vorbereitung eingebunden. Präsident Wolodymyr Selenskyj ließ sich danach unterrichten und zeigte sich dankbar. Ganz anders Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen: Sie sieht das Telefonat sehr skeptisch und sagt, es sei nicht abgestimmt gewesen. Støre hält dagegen, die Partner seien vorab informiert worden.
Schwedens Regierungschef Ulf Kristersson mahnt, Europa solle zusammenhalten, statt allein vorzupreschen. Aus italienischen Regierungskreisen kommt die Forderung, Europa müsse schnell festlegen, wer mit klarem Auftrag für alle verhandelt. Sonst drohe man in den Gesprächen an Gewicht zu verlieren.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.







