WAFFENRUHE
Stille in Cherson: Erste Ruhe seit Jahren, doch die Angst bleibt
Eine befristete Waffenruhe bringt der Frontstadt Cherson die erste Ruhe seit Jahren, doch viele fürchten, was danach kommt.

Plötzlich ist es still. Seit Dienstag schweigen über der ukrainischen Frontstadt Cherson die russischen Drohnen, Raketen und Gleitbomben. Eine befristete örtliche Waffenruhe macht es möglich. Verstöße wurden seitdem von keiner Seite gemeldet.
Hinter der Feuerpause steht US-First-Lady Melania Trump. Sie half, eine seltene Absprache zwischen Russland und der Ukraine zu erreichen. Das Ziel ist die Evakuierung von Oleschky auf der anderen Seite des Dnepr. Die Stadt ist seit Februar 2022 russisch besetzt. Den rund 2000 Menschen dort droht der Hunger.
Die Straße aus Oleschky wird dafür von Minen geräumt. Am Freitag sollen die Zivilisten herausgebracht werden. Danach haben sie die Wahl: im russisch beherrschten Gebiet bleiben oder in Regionen unter ukrainischer Kontrolle gehen.
Die Stadt lebt wieder
In Cherson nutzen die Menschen jede Minute. Familien spazieren unter Netzen gegen Drohnen. Jugendliche besuchen Schulen und Spielplätze, die jahrelang tabu waren. Gelernt haben sie seit 2022 nur am Bildschirm. Manche holen Habseligkeiten aus der roten Zone, die durch den Beschuss unbewohnbar ist. Einige stoßen dort nur auf ausgebrannte oder geplünderte Wohnungen.
Die Angst vor dem Danach
Doch die Sorge bleibt. Viele Einwohner fürchten, dass Russland die Pause nutzen könnte, um Waffen, Munition und Drohnen heranzuschaffen. Petro Andrjuschtschenko vom ukrainischen Zentrum zur Erforschung der Besatzung berichtet von Einheimischen. Nach deren Angaben gibt es einen Aufmarsch bei Radensk, rund 20 Kilometer von Oleschky.
Vor dem russischen Großangriff lebten in Cherson mehr als 250.000 Menschen. Heute sind es noch rund 65.000. Wie lange die Stille hält, weiß niemand.
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Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.








