CARIAD
VW verbrennt 50 Milliarden für Cariad und streicht den Bulli
VW hat rund 50 Milliarden in eine Software-Plattform gesteckt, die nie geliefert hat, und streicht dafür den erfolgreichsten Wagen der Konzerngeschichte.

Volkswagen hat rund 50 Milliarden in eine eigene Software-Plattform gesteckt, die nie geliefert hat. Und stellt gleichzeitig das erfolgreichste Fahrzeug der Konzerngeschichte ein, den VW-Bus, weil dafür angeblich das Geld fehlt. Man muss sich das in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen.
Während in Wolfsburg Milliarden im Nichts verschwinden, baut ein anderer Konzern nebenbei Werte auf, die in Deutschland kaum jemand versteht. Auch die Journalisten nicht, die erzählen, Tesla sei nichts wert.
Der größte Datenschatz zum autonomen Fahren
Ich habe selbst Tesla-Aktien, und ich sage das ganz offen. Wer behauptet, dieser Konzern sei nichts wert, hat nicht verstanden, was dort entstanden ist. Elon Musk besitzt die weltweit größte Datenbank zum autonomen Fahren. Jeder Tesla, der irgendwo auf der Welt fährt, funkt Daten, und diese Daten gehören allein Tesla.
Diese Daten brauchen Sie für alles: für autonome Autos, für Roboter, für alles, was danach kommt. Wie viel Daten wert sind, sieht man an Facebook. Facebook hat außer Daten nichts.
In Amerika rechnet man mit 150 bis 180 Dollar für einen vollständigen Datensatz. Bei rund drei Milliarden Nutzern landen Sie bei 450 bis 500 Milliarden Dollar. Daraus bemisst sich der Wert dieses Unternehmens.
Der Tesla-Datenschatz zum autonomen Fahren wird auf etwa 1,5 Billionen Dollar taxiert. Er ist nebenbei entstanden, und er ist noch nicht einmal vermarktet.
Jahre Vorsprung beim Ladenetz
Das Zweite ist die Ladeinfrastruktur. Tesla hat sie als Erster weltweit aufgebaut, weil es schlicht keine gab. Damit war der Konzern über Jahre Monopolist.
Jetzt bauen die anderen nach. Nur: Der Vorsprung beträgt Jahre, und je mehr Elektroautos unterwegs sind, desto wertvoller wird auch das Netz von Tesla. Allein dieses Ladenetz geht in die Hunderte Milliarden.
Wolfsburg streicht den erfolgreichsten Wagen
Und dann schauen Sie nach Deutschland. Mercedes und BMW abgeschmiert, und VW wirft die gesamte Produktpalette raus. Die Autos sehen inzwischen alle gleich aus. Intelligente Fahrzeuge sind das nicht.
Dann kommt der eigentliche Wahnsinn. VW stellt sein erfolgreichstes Auto überhaupt ein, den VW-Bus. Aus einem Transporter für Fliesen haben sie über fünfzig Jahre einen Luxus-Van gemacht. Mit diesem Fahrzeug hat der Konzern irre viel Geld verdient.
Der Grund für das Aus ist eine EU-Verordnung. Es geht darum, dass Autos über ihre Vernetzung angegriffen werden können. Dafür hätte VW eine neue Technik einbauen müssen, vielleicht zwei bis drei Milliarden, vielleicht nur ein paar hundert Millionen. Man hat es gelassen.
50 Milliarden für eine Software, die nie kam
Das Geld war nämlich schon weg. Allein in die Software-Plattform Cariad sind nach meiner Kenntnis unter Herbert Diess 25 bis 30 Milliarden geflossen. Entwicklung, Personal, Strukturen, alles verbrannt.
Dann hat man gemerkt, dass es nicht klappt, und in Amerika Software zugekauft. Kaufpreis plus zehn bis fünfzehn Milliarden, die noch hineingesteckt wurden. Macht zusammen rund 50 Milliarden für etwas, das nie geliefert hat.
Sie haben mit der Software-Plattform rund 50 Milliarden verbrannt, sind aber zu geizig, den VW-Bus am Leben zu erhalten.
Wie Musk denkt
Der Gegenentwurf heißt SpaceX. Der Mensch war lange nicht mehr in der Lage, zum Mond zu fliegen, obwohl das in den sechziger Jahren mit Rechnern gelang, gegen die ein heutiges iPhone ein Wunderwerk ist. Die Leute damals waren einfach hungrig.
Musk hat sich Raketentechniker geholt. Einer davon hatte bei der NASA aufgehört und baute zu Hause aus Langeweile Raketen. Musk hat ihn aufgestöbert, ist hingefahren, hat ihn besucht und gefragt, ob er das umsetzen will. Dieser Mann hat anschließend entwickelt, was heute in den Weltraum fliegt.
Dann kam die zweite Frage: Was ist eigentlich ein Satellit? Ein bisschen Edelstahl, ein Solarmodul, eine Batterie, ein kleiner Rechner. Wir alle dachten, Satelliten seien Hightech und unbezahlbar. Sie sind das Billigste, was es gibt.
Heute kreisen rund 10.000 dieser Satelliten um die Erde, alle per Laserstrahl miteinander verbunden. Sie können hundert davon abschießen, es passiert nichts, weil die anderen das ausgleichen.
Das ist der Unterschied. Der eine fragt, was eine Sache wirklich braucht, und baut sie. Der andere verbrennt 50 Milliarden in Meetings und streicht danach den Bulli.

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.


