VOLKSWAGEN
VW hat sich sein Grab selbst geschaufelt – und niemand in Wolfsburg hat es gemerkt
Zehn Jahre nach dem Spott über Tesla produziert VW zwar weiter neun Millionen Autos, verdient in Deutschland aber nichts mehr.

Der größte deutsche Autokonzern ist in zehn Jahren zerlegt worden. VW produziert immer noch neun Millionen Autos im Jahr. In Deutschland selbst verdient der Konzern damit nichts mehr. Die kurzfristigen Schulden liegen bei 250 Milliarden, die langfristigen bei knapp 500 Milliarden. Das ist kein Betriebsunfall. Das ist das Ergebnis von Entscheidungen.
Toyota hat die Sache richtig eingeordnet. Toyota ist derzeit der größte Automobilkonzern der Welt, und wenn die einen anderen Weg gehen als Wolfsburg, dann ist das sicherlich nicht dumm. VW dagegen hat alles über Bord geschmissen und ist der Politik gefolgt: der Flottenverordnung aus Brüssel und allem, was da sonst noch drangehängt wurde.
Wer ist denn Tesla?
Dazu kamen die Manager. Man muss sich nur anschauen, was die in den Talkshows von sich gegeben haben. Herbert Diess, Matthias Müller, Winterkorn – der sagt inzwischen nichts mehr, wegen seines Prozesses, weil er angeblich krank ist.
Ich sehe noch immer Matthias Müller 2015 in einer Talkshow sitzen.
Wir wollen doch hier mal die Kirche im Dorf lassen. Wer ist denn Tesla? Und was machen die und was machen wir?
Zehn Jahre später ist die Antwort da. Tesla fährt voraus, VW ist zerstört.
Aufsichtsrat, Klausel, Bonuszahlungen
Es kommt eben davon, wenn man einen links unterwanderten, grünen Aufsichtsrat hat und dort alle möglichen Leute reinholt, unter anderem eine grüne Autohasserin. Dazu die VW-Klausel in Niedersachsen. In unendlicher Dummheit der Manager und in unendlicher Dummheit der Politik haben die sich ihr Grab selbst geschaufelt.
Hinzu kommen die nimmersatten Mitarbeiter in Wolfsburg, die über Jahre mit Geld zugeworfen wurden. Das ist unfassbar. Wer keine Rücklagen bildet und dann auch noch die gesamte Modellpalette austauscht, der braucht sich über das Ergebnis nicht zu wundern.
Die Arroganz gegenüber den Zulieferern
Man muss sich die Arroganz vorstellen, die dort geherrscht hat. Vor 13, 14, 15 Jahren, als Tesla anfing, haben die großen deutschen Hersteller ihren Zulieferern verboten, Teile an Tesla zu liefern. Ein Auto hat bei VW oder Mercedes 150 bis 200 Zulieferer. Das war als Todesurteil gedacht.
Tesla hat gesagt: Gut, wir bekommen die Teile nicht, die lehnen die Zusammenarbeit ab, dann entwickeln wir alles selbst. Und genau das haben sie getan.
Kurz vor Corona hat Toyota der Legende nach drei Teslas gekauft und sie auseinandergenommen. Das Ergebnis der Sektion: Wir verstehen an dem Auto alles, nur die Steuereinheit nicht. Dafür brauchen wir acht Jahre, bis wir das durchblicken.
Heute fährt der Tesla allein
Heute sind die Zulieferer mit der Automobilbranche abgestürzt, und Tesla fährt weit voraus. Ein Freund von mir ist seit einigen Monaten in den USA, hat sich dort einen Tesla gekauft – die sind drüben noch ein Stück billiger – und fährt damit durch Amerika. Der Wagen hat Full Self Driving, fährt also komplett autonom. Er sagt, er habe keinen Stress mehr mit Autofahren.
In Holland ist das erlaubt, in Dänemark jetzt auch. Und wer ist so dumm und stellt sein eigenes System ein? Mercedes-Benz und BMW, vor ein paar Monaten.
Dass die Elektroautos zu teuer sind, steht auf einem anderen Blatt. Für mich persönlich rechnet es sich. Ich habe mir einen Mercedes gekauft, acht, neun Monate alt, mit einem Nachlass, der Richtung 70 Prozent auf den Neuwagenpreis ging. Das Auto haben sie mir fast geschenkt. Und ja, der Mercedes ist besser verarbeitet als ein Tesla.
Der entscheidende Fehler
Das Automobil ist für Elon Musk vollkommen nebensächlich. Tesla war der Initiator, der Katalysator. Entscheidend ist, was daraus erwachsen ist. Genau das haben die deutschen Firmen nicht verstanden.
BMW, Mercedes und die anderen wollten alle einen Tesla nachbauen. Das war der entscheidende Fehler. Sie hätten ihre bestehenden Modelle einfach mit Elektrotechnik ausstatten sollen, dann wären ihnen diese gewaltigen Kosten erspart geblieben.
Mercedes hat den EQE und den EQS gebaut. Der EQE ist jetzt eingestellt. Ein super Auto, ich hätte es für 90.000 Euro nicht gekauft, zu meinem Preis war es ein Schnäppchen, billiger als ein Tesla. Ich bin auch den EQS gefahren, 30 Zentimeter länger, fantastisch. Die Mercedes-Kunden haben es trotzdem nicht angenommen. Bei BMW dasselbe Problem.
Milliarden verpulvert, dann zurück auf Anfang
Und was machen die Hersteller jetzt, nachdem sie Milliarden verpulvert haben? Sie gehen zurück auf die alten Modelle und rüsten die auf Elektro um. Weil der Käufer es sonst nicht annimmt. Tesla ist da schon wieder 20 Schritte weiter. Musk hat die Gigafactory in Kalifornien stillgelegt, dort werden demnächst humanoide Roboter gebaut, seine Optimus.
Bleibt die bitterste Zahl. Mercedes-Benz war am Anfang an Tesla beteiligt, mit 50 Millionen Euro. Bei einem Wert von 700 Millionen haben sie verkauft und stolz verkündet, was für ein super Geschäft das gewesen sei. Hätte Mercedes diese Anteile behalten, wären sie heute 150 bis 180 Milliarden Euro wert.
Das ist die ganze Geschichte der deutschen Autoindustrie in einem einzigen Vorgang: Man hatte die Zukunft in der Hand und hat sie für ein schnelles Lob verkauft.

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.


