VOLKSWAGEN

VW hat sich sein Grab selbst geschaufelt – Manager und Politik haben den Konzern zerlegt

Volkswagen produziert weiter neun Millionen Autos und verdient in Deutschland nichts mehr – das ist kein Pech, sondern das Ergebnis von zehn Jahren Arroganz.

Dirk Muchow··4 Min. Lesezeit
Werksgelände von Volkswagen in Wolfsburg mit den vier Schornsteinen des Kraftwerks
Aerial image of the Wolfsburg Volkswagen Plant (view from the southeast) · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Carsten Steger / Wikimedia Commons, Aerial image of the Wolfsburg Volkswagen Plant (view from the southeast).jpg

Volkswagen produziert noch immer rund neun Millionen Autos im Jahr. In Deutschland verdient der Konzern damit nichts mehr. Die kurzfristigen Schulden liegen bei 250 Milliarden, die langfristigen bei knapp 500 Milliarden. Das ist kein Konjunkturproblem. Das ist das Ergebnis von zehn Jahren Fehlentscheidungen.

Toyota hat die Entwicklung richtig eingeordnet. Toyota ist derzeit der größte Automobilkonzern der Welt, und wenn die etwas anders machen als alle anderen, dann ist das sicher nicht dumm. VW hat alles über Bord geschmissen und ist den Politikern gefolgt – der Flottenverordnung aus Brüssel und allem, was sonst noch kam.

Wer ist denn Tesla?

Dazu kamen Manager, deren Kompetenz man in den Talkshows besichtigen konnte. Herbert Diess, Matthias Müller, Martin Winterkorn – letzterer sagt wegen seines Prozesses nichts mehr, weil er angeblich krank ist.

Ich sehe noch immer Matthias Müller 2015 in einer Talkshow sitzen und sagen, man solle doch bitte die Kirche im Dorf lassen.

Wer ist denn Tesla? Und was machen die und was machen wir?

Zehn Jahre später ist VW zerstört. So einfach ist das.

Aufsichtsrat, Klausel, Wolfsburg

Es kommt eben davon, wenn man einen grün durchsetzten Aufsichtsrat hat und dort auch noch eine grüne Autohasserin hereinholt. Dazu die VW-Klausel in Niedersachsen. In unendlicher Dummheit der Manager und in unendlicher Dummheit der Politik haben sie sich ihr Grab selbst geschaufelt.

Und ein Teil der Verantwortung liegt auch in Wolfsburg selbst. Die Mitarbeiter sind über Jahre mit Geld zugeworfen worden, das ist unfassbar. Wer keine Rücklagen bildet und dann die gesamte Modellpalette austauscht, der ist erledigt. So einfach ist die Rechnung.

Die Zulieferer durften nicht liefern

Man muss sich die Arroganz vor Augen führen, mit der das alles begann. Vor 13, 14, 15 Jahren, als Tesla anfing, haben die großen deutschen Hersteller ihren Zulieferern verboten, Tesla zu beliefern. Ein Auto hat 150 bis 200 Zulieferer. Das sollte Tesla die Luft abschnüren.

Tesla hat gesagt: In Ordnung, dann entwickeln wir es eben selbst. Und genau das haben sie getan.

Kurz vor Corona hat Toyota der Legende nach drei Teslas gekauft und sie seziert. Das Ergebnis: Wir verstehen an diesem Auto alles – nur die Steuereinheit nicht. Dafür brauchen wir acht Jahre, bis wir das durchblicken. Das ist der Stil von Elon Musk.

Heute sind die Zulieferer mit der Automobilbranche abgestürzt. Und Tesla fährt weit voraus.

Autonom in Amerika, eingestellt in Deutschland

Die Elektroautos sind zu teuer, daran gibt es nichts zu deuteln. Für mich hat es sich gerechnet: Ich habe einen Mercedes als Elektroauto gekauft, wenige Monate alt, acht oder neun Monate, mit einem Nachlass, der fast in Richtung 70 Prozent ging. Da haben sie mir das Auto fast geschenkt. Und ja, der Mercedes ist besser verarbeitet als ein Tesla.

Aber darum geht es nicht. Ein Freund von mir lebt seit einigen Monaten in den USA, hat sich dort einen Tesla gekauft und fährt damit durch Amerika. Mit FSD, Full Self Driving. Das Auto fährt komplett autonom. Er sagt, er habe keinen Stress mehr mit dem Autofahren. In Holland ist das ebenfalls erlaubt, in Dänemark jetzt auch.

Und wer stellt sein System ein? Mercedes-Benz und BMW, vor wenigen Monaten.

Der entscheidende Fehler

Für Elon Musk ist das Automobil längst nebensächlich. Tesla war der Initiator, der Katalysator. Entscheidend ist, was daraus erwachsen ist. Genau das haben die deutschen Firmen nie verstanden.

BMW, Mercedes und die anderen wollten alle einen Tesla nachbauen. Das war der entscheidende Fehler. Sie hätten ihre bestehenden Modelle einfach mit Elektrotechnik ausstatten sollen, dann wären diese gewaltigen Kosten nie entstanden.

Mercedes hat den EQE und den EQS gebaut. Den EQE haben sie inzwischen eingestellt. Ein super Auto, der EQS mit seinen zusätzlichen 30 Zentimetern ebenfalls fantastisch. Aber die Mercedes-Kunden haben es nicht angenommen. Bei BMW dasselbe Problem.

Und was machen die Hersteller jetzt, nachdem sie Milliarden verpulvert haben? Sie gehen zurück auf die alten Modelle und rüsten die auf Elektro um. Weil der Käufer sie sonst nicht annimmt. Genau das wäre von Anfang an der richtige Weg gewesen.

Die bitterste Zahl

Tesla ist längst 20 Schritte weiter. Die Gigafactory in Kalifornien hat Musk stillgelegt, dort sollen künftig humanoide Roboter gebaut werden, seine Optimus.

Und dann diese Zahl, die alles zusammenfasst: Mercedes-Benz war am Anfang an Tesla beteiligt, mit 50 Millionen Euro. Als der Wert bei 700 Millionen lag, haben sie verkauft und sich für ein großartiges Geschäft gefeiert.

Hätte Mercedes-Benz diese Anteile behalten, wären sie heute 150 bis 180 Milliarden Euro wert. Das ist der Preis dafür, dass man nicht versteht, was gerade passiert.

Standbild aus dem Video: VW hat sich sein Grab selbst geschaufelt – und niemand in Wolfsburg hat es gemerkt
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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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