GRÖNLAND

Trump sichert sich Grönland, während wir über Tankrabatte diskutieren

Die Seewege im Norden tauen auf, und Trump hat sich die Schlüsselposition im Nordatlantik gesichert, bevor China und Russland zugreifen konnten.

Dirk Muchow··4 Min. Lesezeit
Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt vor Anhängern
Trump promised to bring sweeping political change, to create wealth, and to make America safe again in a speech that excited delegates on th · Lizenz: Public domain · Bild: Ali Shaker/VOA / Wikimedia Commons, Donald Trump RNC July 2016.jpg

Trump hatte ein geopolitisches Problem, und er hat es gelöst. Im Norden wird es wärmer. Routen werden schiffbar, die vorher nicht schiffbar waren. Wer diese Seewege kontrolliert, kontrolliert die kommenden Jahrzehnte. Trump hat das erkannt und die Lage zu amerikanischen Bedingungen neu geordnet.

Dass man das kommen sehen konnte, zeigt ein Beispiel aus der Finanzwelt. Vor 20, 25 Jahren fing Warren Buffett an, Hafenanlagen in Kanada und in Alaska zu kaufen. Für ein Appel und ein Ei. Die wollte damals keiner haben. Dazu Eisenbahnstrecken. Alle haben sich gefragt, was er damit will.

Heute, ein Vierteljahrhundert später, tauen genau diese Hafenanlagen auf. Sie werden schiffbar. Jetzt erkennt man, was er damit wollte. Das ist der Unterschied zwischen langfristigem Denken und Verwalten.

Warum ausgerechnet Grönland

Grönland ist die kürzeste strategische Verbindung zwischen Nordamerika, Europa und dem arktischen Raum. Man braucht Grönland. Wer Grönland militärisch nutzen kann, besitzt die zentralen Beobachtungs- und Frühwarnposten im Nordatlantik.

Genau dort wollen die Chinesen entlangfahren. Genau dort wollen die Russen entlangfahren. Und Trump sitzt jetzt mittendrin.

Eines muss man sich dabei vor Augen halten: Grönland ist gar nicht so groß, wie es auf unseren Karten ausschaut. Die Mercator-Projektion verzerrt die Größenverhältnisse. Auf dieser geraden Weltkarte stimmen die Größenordnungen nicht. Ich weiß das auch, weil ich dort schon einmal langgesegelt bin.

Frühwarnung, Weltraum, Sperrgürtel

Die amerikanische Militärbasis auf Grönland ist schon heute entscheidend für Raketenfrühwarnung und Weltraumüberwachung. Warum Weltraumüberwachung? Weil der Himmel dort oben besonders klar ist. Keine Smogwolken, keine Störungen.

Angriffe auf Nordamerika würden über die Polarregion laufen. Nach dem, was ich gesehen habe, würden 70 bis 80 Prozent der Raketen über Grönland fliegen. Deshalb sagt Trump: unverzichtbar. Jetzt erst recht, wo die Region schiffbar wird.

Grönland, Island und Großbritannien bilden einen strategischen Sperrgürtel zwischen Arktis und Nordatlantik. So habe ich es mir erklären lassen. Wichtig auch für die Überwachung russischer U-Boote, Flugzeuge und Raketenbewegungen.

Er denkt in Jahrzehnten, nicht in Wahlperioden

Trump hat nicht regiert wie die letzten amerikanischen Präsidenten. Die haben immer nur vier Jahre gedacht, bis zur nächsten Wahl, bis zum nächsten Gipfel. Er denkt an die militärische Lage der kommenden Jahrzehnte.

Damit seine Kinder und seine Familie, wenn er einmal nicht mehr da ist, dort in Frieden leben können.

Lustigerweise hat die NATO Grönland erst nach seinem Vorstoß für die kollektive Sicherheit wichtig genannt. Trump war der Erste. Er hat es erkannt, ausgesprochen und sich geholt.

China war schon unterwegs

Damit kommt er China zuvor. China hat längst Interesse an Grönland gezeigt. Und China kauft sich seit 20, 25 Jahren über die neue Seidenstraße überall ein. In Afrika, in Asien, im Bergbau.

Die haben sich in griechische Hafenanlagen eingekauft, als Griechenland Geld brauchte. Die haben sich in afrikanische Minen eingekauft. Bei seltenen Erden haben die Chinesen aufgekauft, was zu bekommen war. Dasselbe Interesse haben sie in der Arktis.

Häfen, Flugplätze, Bergbau, Telekommunikation gibt es auch auf Grönland. Das liegt jetzt in Trumps Hand. Hätte er erst reagiert, wenn die Chinesen schon da gewesen wären, wäre es zu spät gewesen. Mit dem Vertrag hat er die Sache unumkehrbar gemacht.

Und wir verschenken unser Geld

Trump behandelt Investitionspolitik als Bestandteil nationaler Sicherheit. Genau wie China. Wir dagegen verschenken unser Geld. 30 Milliarden Entwicklungshilfe, Geld in den Sudan, 100 Milliarden in die Ukraine. Alles weg.

Russland verfügt schon heute über erhebliche militärische Präsenz entlang seiner arktischen Küsten. Aufgebaut über Jahrzehnte. Die USA schließen jetzt die Lücke auf der nordamerikanischen Seite des Atlantiks. Ein perfekter Deal.

Und bei uns? Unser Kanzler war in neun Monaten nicht in der Lage, einen Tankrabatt zu verhandeln oder auch nur Szenarien dafür zu haben. Überhaupt nichts. Von europäischen Resolutionen, Moralappellen und Presseerklärungen lässt sich Trump nicht beeindrucken. Von 15 Bundeswehrsoldaten in Schneekleidung erst recht nicht. Und die Geografie auch nicht.

Ich finde es klasse, wie der Typ das geregelt hat. Wir bekommen nicht einmal die deutsche Infrastruktur in den Griff, und er holt sich nebenbei Grönland. Wir werden hier von Leuten regiert, die nicht bis zur nächsten Legislaturperiode denken können.

Standbild aus dem Video: Trump sichert sich Grönland, während wir über Tankrabatte diskutieren
Das Video zum Beitrag auf KLARTEXT TV · 9:22 Min.
Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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