TRUMP

Ohne erneute Kandidatur säße Trump heute im Gefängnis

Donald Trump wurde mit der gesamten Justiz- und Polizeimacht der USA gejagt, gerettet hat ihn nur der Wahlkampf, den er vier Jahre lang nie beendet hat.

Dirk Muchow··4 Min. Lesezeit
Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt vor Anhängern
Trump promised to bring sweeping political change, to create wealth, and to make America safe again in a speech that excited delegates on th · Lizenz: Public domain · Bild: Ali Shaker/VOA / Wikimedia Commons, Donald Trump RNC July 2016.jpg

Donald Trump wurde von Joe Biden gejagt. Mit der gesamten Justizmacht, mit der gesamten Polizeimacht der USA. Hätte der Wahlkampf ein Jahr später stattgefunden, säße Trump heute mit ziemlicher Sicherheit im Gefängnis. Das ist keine Spekulation, das ergibt sich aus dem, was hinterher alles aufgedeckt wurde.

Die Medien in Amerika haben sich gegen ihn verschworen. Die Justiz hat mitgemacht. Staatsanwälte waren beteiligt, FBI-Leute waren beteiligt. Das kam erst ans Licht, als die Jagd im Grunde schon gelaufen war. Wäre Kamala Harris Präsidentin geworden, hätten sie ihn platt gemacht.

Gerettet hat ihn nur eines: Er hat nie aufgehört. Ab 2020 hat Trump vier Jahre lang durchgehend Wahlkampf geführt. Erst als absehbar war, dass er wieder Präsident wird, ließ der Druck nach. Ohne diese Kandidatur wäre er heute ein Häftling und kein Präsident.

Verdiente statt bezahlter Medienpräsenz

Im Netz unterscheidet man zwischen zwei Dingen. Paid Media ist alles, was man einkauft, also bezahlte Präsenz. Das direkte Gegenteil davon ist Earned Media, verdiente Medienpräsenz. Trump hat seinen gesamten Wahlkampf mit Earned Media bestritten.

Er hat provoziert, und provoziert, und wieder provoziert. Unvorhersehbare Auftritte. Polarisierende Tweets. Direkte Attacken. Klassische Nachrichtenredaktionen funktionieren nach Einschaltquoten und Klicks. Genau da hat er angesetzt, und genau deshalb konnten sie gar nicht anders, als über ihn zu berichten.

Das Ergebnis: Trump hatte am Ende mehr Medienpräsenz als die gesamten Demokraten mit ihrer kompletten Berichterstattung zusammen. Es hat noch nie jemand so viel Geld ausgegeben wie Kamala Harris und Joe Biden. Der einzige Sinn dieser Ausgaben war der Kampf gegen Trump. Und Trump hatte trotzdem mehr.

Spätestens ab dem Attentat ging die Berichterstattung endgültig durch die Decke. Vorher war sie schon hoch, danach war sie nicht mehr einzufangen.

Warum Siegmund dasselbe Rezept kopiert hat

Genau dieses Muster hat Ulrich Siegmund übernommen. Ich habe dazu schon vor rund einem Jahr Videos gemacht. Die Kampagne über anderthalb Jahre war ziemlich clever. Die haben sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Trump abgeschaut und in ihrem eigenen Stil sehr gut umgesetzt.

Und es hat kaum Geld gekostet. Einsatz von Personal, Einsatz von Social Media. Damit sind sie gegen den kompletten Apparat angetreten: SPD, Verlagsgesellschaften, MDR. So haben sie den Wahlkampf gewonnen.

Ich habe dazu eine Medienbeobachtung laufen, unter anderem zu Utopia und Utopia TV. Die haben von diesem Wahlkampf enorm profitiert. Das war im Prinzip ein symbiotischer Kreis. Utopia TV steht mittlerweile bei über 100 Millionen Aufrufen.

Die Livestreams, die sie dort durchgeführt haben, die waren unbezahlbar.

Solche Reichweite können Sie bei keinem Medienhaus kaufen. Das geht so weit, dass sich am Ende die Medienhäuser beschwert haben, weil sie keine Interviews mit Ulrich Siegmund bekommen. Der Spieß wurde umgedreht.

In Mecklenburg-Vorpommern sieht es anders aus

Dass dieses Rezept nicht überall gleich funktioniert, sieht man in Mecklenburg-Vorpommern. Dort ist die Medienresonanz geringer. Ich bin gespannt, wie das ausgeht. Ich habe den Tweet eines AfD-Abgeordneten gelesen, der es anders darstellt: Die SPD werde dort verlieren, weil die Umfragen nicht stimmen.

Dazu kommt das Thema Briefwahl. Da gibt es dieselben Unstimmigkeiten wie in Sachsen-Anhalt. Wenn die Briefwahl plötzlich bei 50 zu 50 steht und sonst irgendwo bei 70 zu 30 liegt, dann kann das nicht funktionieren.

Warum die Umfragen nichts taugen

Aus dem Chat kam die Frage, warum die Umfragewerte in den USA im Keller seien. Erstens: Diese ganzen demokratischen Umfragen können Sie vergessen. Man erinnere sich daran, was in den USA berichtet wurde, als Kamala Harris in den Wahlkampf einstieg. Die Frau schlage Trump, hieß es überall.

Und dann? Nachdem alle Wahlprognosen veröffentlicht waren, hat Donald Trump durchweg geführt. Genau deshalb sind Umfragen aus diesem Lager kein Maßstab. Im November stehen die Zwischenwahlen an, und ich bin gespannt, was von den Prognosen übrig bleibt.

Warum Trump den Iran abschließen will

Beim Iran wird Trump von vielen falsch dargestellt. Sehen wir es realistisch. Trump hat eine große, intakte Familie. Fünf Kinder, dazu eine Menge Enkel. Er wird bald 80. Er ist darauf bestrebt, dass diese Familie über die nächsten Generationen in Frieden leben kann.

Und weil er nichts mehr zu verlieren hat, sagt er: Das Thema Iran wird abgeschlossen. Kein amerikanischer Präsident hat sich getraut, das anzugehen. Trump hat es gemacht. Vielleicht nicht mit völlig zutreffenden Informationen durch die Israelis. Aber er hat angefangen, und er wird es zu Ende bringen.

Ich hätte mir gewünscht, dass es schneller geht. Aber die Richtung stimmt. Wer vier Jahre durchhält, während der gesamte Staatsapparat gegen ihn arbeitet, der lässt sich auch beim Iran nicht aufhalten.

Standbild aus dem Video: Ohne erneute Kandidatur säße Trump heute im Gefängnis
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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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