MERZ
Nur ein Ministerpräsident kommt zu Merz ins Kanzleramt
Am Sonntag lud der Kanzler die Ministerpräsidenten für 16 Uhr ins Kanzleramt, erschienen ist nur Daniel Günther.

Friedrich Merz hat die Ministerpräsidenten am Sonntag für 16 Uhr ins Kanzleramt geladen. Gekommen ist einer: Daniel Günther. Sonst niemand. Am Abend um 21 Uhr musste der Kanzler die Ministerpräsidenten dann einzeln abtelefonieren. Eine größere Demütigung gibt es in diesem Amt nicht.
Und dann ist da dieses Foto. Merz steht mit den Händen in den Taschen am Fenster seines Büros, an einem Sonntagnachmittag, allein. Mir kam das vor wie Kevin allein zu Haus. Nur war Kevin lustig, als er die Einbrecher abgewehrt hat. Hier ist nichts lustig.
Merz ist platt. Da kommt nichts mehr. Ich habe in den vergangenen Tagen Gespräche geführt, und das Bild ist überall dasselbe: Die Ministerpräsidenten haben ihn aufgegeben.
Wenn die eigenen Medien anfangen
Man erkennt es inzwischen sogar an den Medien. Dieselben Häuser, die über Merz nie etwas Schlechtes geschrieben haben, weil er die Brandmauer hochhält, schreiben jetzt selbst gegen ihn. Wenn dieser Schutzschirm reißt, ist es vorbei. Das ganze System implodiert vor unseren Augen.
Auch die Bundestagsabgeordneten sehen es jetzt. Was ich seit Tagen sage, ist bei ihnen angekommen: In Sachsen-Anhalt sind 25 Mandate weg. In Mecklenburg-Vorpommern kann es passieren, dass die CDU unter fünf Prozent rutscht. Total irre. Und auf einmal rückt der eigene Verlust ganz nah heran.
Ein Tipp zur Bundestagsrede: Schauen Sie sich die Aufzeichnung noch einmal an. Aber nicht auf Merz. Es gibt verschiedene Kameraeinstellungen. Nehmen Sie die auf die CDU-Abgeordneten. Da war blankes Entsetzen. Die sind mit ihm durch.
Die Gnadenfrist bis zum 20. September
Warum gibt man ihm trotzdem noch eine Frist bis zum 20. September? Ganz einfach: Er soll die Suppe selbst auslöffeln, die er sich eingebrockt hat. Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern soll er noch mitnehmen, und danach ist das Ding erledigt.
Man darf sich gar nicht vorstellen, wo dieser Mann heute stehen könnte. Wenn er nicht so indoktriniert wäre mit seiner Brandmauer. Wenn er umgesetzt hätte, was er vor der Wahl angekündigt hat. Wenn er ab dem ersten Tag Politik gemacht hätte statt Ausgrenzung.
Indem er sich an den Untergang gekettet hat, ist leider Deutschland untergegangen. Und seine Partei gleich mit.
Für mich ist Merz der Scheinriese. Aus der Ferne wirkt er gewaltig, und je näher man kommt, desto kleiner wird er. Ein atomarer Störfall in Zeitlupe. Die CDU weiß mittlerweile: Wenn sie ihm die Treue hält, geht es Richtung 15 Prozent. Das macht keiner mehr mit.
Die offene Schlacht in Sachsen-Anhalt
Wie tief das reicht, sehen Sie an Sachsen-Anhalt. Einen Tag nach der Wahl putscht Sven Schulze in der Fraktion gegen den bisherigen Fraktionschef Guido Heuer. Ganz im Merz-Stil. Er gewinnt die Abstimmung mit acht zu sieben. Eine Stimme Vorsprung, mehr ist von der Geschlossenheit nicht übrig.
Dann der Montagvormittag. Die Pressekonferenz von Merz wurde auf 13 Uhr verschoben. In der internen Runde davor, im Beisein des Kanzlers, erhebt Sven Schulze gegen Sepp Müller den Vorwurf des Abrechnungsbetrugs. Gegen den Mann, der Landeschef der CDU in Sachsen-Anhalt werden will.
Drei Stunden später tritt Merz vor die Presse und kritisiert genau diesen Sepp Müller, ohne ihn beim Namen zu nennen. Das ist keine Partei mehr, die streitet. Das ist offene Schlacht. Und so sieht das von innen aus.
Warum auch der Nächste es nicht richtet
Schauen Sie sich die drei Umfragen aus Mecklenburg-Vorpommern an. Bei einer steht die CDU bei fünf Prozent. Das wird Merz nicht überleben. Man sagt ihm nur noch: Bis dahin kannst du, danach nicht mehr.
Das heißt aber nicht, dass ein Nachfolger die Talfahrt aufhält. Was im Osten passiert ist, war eine Initialzündung. Was die AfD dort gemacht hat, was Ulrich Siegmund dort gemacht hat, das ist Asterix und Obelix. Man kann darüber streiten, wer wer ist. Klar ist nur eines: Merz ist in dieser Geschichte der Barde, der am Ende gefesselt in der Ecke hängt, weil er unbedingt singen will.
Das System Merz ist erledigt. Nicht im Prinzip, sondern ganz faktisch. Es implodiert vor unser aller Augen.

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

