MERZ
Nach Sachsen-Anhalt kippt der erste Dominostein - Mecklenburg wird der zweite
Sachsen-Anhalt war erst der Anfang: Der Absturz der CDU rückt den Bundestagsabgeordneten gefährlich nahe an die eigene Existenz.

Die CDU hat in Sachsen-Anhalt 25 Mandate verloren. Der Ministerpräsident wurde auf 17 Prozent abgestraft. Das ist nicht das Ende einer Serie, das ist der Anfang. Sachsen-Anhalt war der erste Dominostein. Mecklenburg wird der zweite. Danach Berlin.
Warum ausgerechnet dieses Ergebnis so einschlägt, hat zwei Gründe. Der erste ist die Größe. 1,8 Millionen Wähler, kein kleines Land wie das Saarland mit knapp einer Million. Wäre es das Saarland gewesen, wäre der Aufstand nicht annähernd so groß.
Die Einschläge kommen näher
Der zweite Grund ist die Nähe zu Berlin. Das Problem ist nicht mehr weit weg, es steht vor der Tür. Die 25 Abgeordneten, die in Sachsen-Anhalt ihr Mandat verloren haben, kennen ihre Kollegen im Bundestag. Und es ist telefoniert worden. Auch wenn wir nicht dabei waren, es war so.
Genau das ist der Unterschied zu allem, was vorher passiert ist. Solange es andere traf, konnte man weitermachen. Jetzt geht es an die eigene Existenz. Fällt die CDU in Mecklenburg auf fünf Prozent oder fliegt sie ganz aus dem Landtag, war es das.
Ein Mann hat das zu verantworten
Diese Entwicklung hat die CDU einem Menschen zuzuschreiben: Friedrich Merz. Mit seinem Wahn, mit der Brandmauer, mit dem weinerlichen Satz, sie wollten die CDU zerstören. Die CDU zerstört sich selbst. Sie hat sich längst selbst zerstört.
Man muss sich vor Augen halten, wie gut Deutschland dastehen könnte. Hätte Merz umgesetzt, was er vor der Wahl angekündigt hat, stünde die CDU heute bei 40 Prozent im Bund. Er wäre als Wirtschaftskanzler in die Geschichte eingegangen. Stattdessen legt er die Hand ins Feuer und sagt, es tue nicht weh.
Judenhass abschaffen, während Antisemiten einreisen
Am selben Tag kündigt er an, den Judenhass bis zum nächsten Jahr abzuschaffen. Jeden Tag kommen Antisemiten ins Land. Jeden Tag. Und er redet davon, den Judenhass abzuschaffen. Dann soll er das in Berlin anfangen.
Das Muster kennen wir schon. Beim größten Stromausfall in Deutschland meldete sich der Kanzler tagelang nicht zu Wort. Ich habe damals gefragt: Wo ist Merz? Als er sich endlich äußerte, kam der Satz, besser hätte man es nicht machen können. Der ist ihm um die Ohren geflogen.
Er hat den Bachstelzengang. Von einem Fettnapf in den nächsten.
Der Moment am Pult
Es gab in dieser Bundestagsrede einen Moment, den man gesehen haben muss. Merz sitzt am Pult und lacht überheblich. Ja ja, hört euch das mal an. Kurz zuvor hatte er der AfD und Alice Weidel unterstellt, sie plane eine ethnische Säuberung.
Da unterstellt der Typ der AfD, die AfD plant eine ethnische Säuberung. Ruanda, 800.000 Leute tot. Srebrenica, 8.000 Leute tot.
Das ist die Dimension dieses Wortes. Wer es benutzt, weiß, was er sagt. Und dann setzt er sich hin und lacht. Die Abgeordneten haben das gesehen. Und sie haben es erkannt.
Verbotsverfahren statt Politik
Dazu passt, was aus München und Düsseldorf kommt. Söder denkt über ein Verbotsverfahren nach, Wüst macht mit. Was für ein Blödsinn. Über ein Verbot der AfD nachzudenken, während die eigene Partei bei 17 Prozent in einem Bundesland liegt, ist die Bankrotterklärung.
Der Putsch um die doppelte Diät
Am deutlichsten wird es bei Sven Schulze. Der Ministerpräsident wird abgestraft, 17 Prozent, 25 verlorene Abgeordnete. Und was macht er am nächsten Tag? Er geht in die Fraktionssitzung und reißt den Fraktionsvorsitz an sich. Samt zweiter Bezüge.
Wie blöd muss man als CDU sein? Derjenige, der das Desaster zu verantworten hat, putscht gegen die eigene Partei, weil er absehbar seinen Job als Ministerpräsident verliert. Und sichert sich vorher die doppelte Diät.
Anschließend stellt er sich hin und erklärt, von seinen 15 Leuten werde keiner zur AfD überlaufen. Ich an ihrer Stelle würde die Nummer von Ulrich Siegmund wählen und fragen: Hör mal zu, habt ihr noch einen Platz?
Was jetzt kommt
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Das wird kommen. Nicht weil irgendjemand es organisiert, sondern weil die Einschläge jetzt direkt bei den Bundestagsabgeordneten ankommen und die sich untereinander unterhalten.
Es geht nicht mehr um Haltung, nicht um Brandmauer, nicht um Bekenntnisse. Es geht um die eigene Existenz. Und wenn es darum geht, entscheidet jeder für sich. Erst Sachsen-Anhalt, dann Mecklenburg, dann Berlin.

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

