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Merz erklärt das Geschäftsmodell Deutschland für tot und verschweigt die Täter

Der Kanzler nennt das deutsche Geschäftsmodell zusammengebrochen, doch zerstört haben es aus meiner Sicht seine eigene Partei und Angela Merkel.

Dirk Muchow··4 Min. Lesezeit
Friedrich Merz, Julia Klöckner; CDU ZUKUNFTSKONGRESS am 27.04.2023 in Berlin (Tempodrom), Deutschland
Friedrich Merz, Julia Klöckner; CDU ZUKUNFTSKONGRESS am 27.04.2023 in Berlin (Tempodrom), Deutschland · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Dr. Frank Gaeth / Wikimedia Commons, Friedrich Merz und Julia Klöckner 2023.jpg

Friedrich Merz hat gesagt, das Geschäftsmodell Deutschland sei zusammengebrochen und komme auch nicht wieder. Der Satz stimmt. Nur eines sagt der Kanzler nicht dazu: Wer dieses Geschäftsmodell vernichtet hat. Aus meiner Sicht waren es die CDU und Angela Merkel.

Da stellt sich ein CDU-Kanzler hin und erklärt das deutsche Geschäftsmodell für tot, als wäre das ein Naturereignis. Es war kein Naturereignis. Es war das Ergebnis von zwanzig Jahren Unvermögen.

Wo genau boomt die Exportwirtschaft?

Vorher redet Merz über die Exportwirtschaft, als würde sie boomen. Die Exportwirtschaft ist volatil. Ein kurzfristiger Anstieg durch Großaufträge oder Wechselkurse ist kein Boom. Das gesamte Exportgeschäft mit China ist nach meiner Einschätzung komplett zusammengebrochen. Wo boomt sie also?

Dasselbe Spiel bei den Löhnen. Dasselbe bei der Lobeshymne auf Deutschland, während wir die hohen Energiepreise haben. Je genauer man hinschaut, desto klarer wird: Der Mann hat von Wirtschaft keine Ahnung. Entweder bin ich dumm oder er.

Und der Tankrabatt oder Tankpreisdeckel, den die SPD jetzt verlauten lässt? Da kommt nichts. Überhaupt nichts. Das läuft nur wegen der Wahlen am Wochenende, damit die Leute beruhigt sind.

Merkel hatte so viel Geld wie kein Kanzler vor ihr

Die Überschüsse, die Gerhard Schröder erwirtschaftet hatte, sind unter Merkel über Wahlgeschenke und asymmetrische Demobilisierung in der Gesellschaft verteilt worden. Zukunftsfähig gemacht wurde das Land nicht.

Dazu wurde die Energieinfrastruktur zerstört, zielgerichtet, durch das Abschalten der 17 Atomkraftwerke.

Merkel hat so viel Gelder gehabt wie kein Kanzler zuvor. Die sind geflossen, gesprudelt, die Erlöse irre.

Stellen Sie sich vor, Merkel hätte 2010 oder 2011 statt des Ausstiegs gesagt: Wir nehmen einen Kredit in Höhe des Bruttoinlandsprodukts auf, damals rund viereinhalb bis fünf Billionen Euro, und bringen Deutschland auf Vordermann.

Damals gab es Negativzinsen. Man hätte für das Geld noch etwas obendrauf bekommen. Stattdessen kam der ausgeglichene Haushalt, die schwarze Null mit Wolfgang Schäuble. Gespart zur genau falschen Zeit. Die Gelder lagen auf der Straße, man hätte sie nur nehmen müssen. Investiert wurde nichts.

Hunderte Milliarden für Technik von gestern

Dazu die ausgesetzte Wehrpflicht unter zu Guttenberg und Merkel. Die Bundeswehr wurde abgeschafft. Fünfzehn Jahre später stehen wir mit dem Rücken zur Wand.

Jetzt werden hunderte Milliarden in die Bundeswehr gepumpt, aus meiner Sicht vollkommen ziellos. Wir haben nicht einmal vernünftige Kampfflugzeuge. Dafür präsentiert Rheinmetall umgebaute Radpanzer mit aufgesetzten Kanonen, mit denen Drohnen abgeschossen werden sollen.

Bei den Drohnen läuft längst der nächste Schritt. Ich habe eine Präsentation gesehen: Da startet eine Drohne, und aus ihr kommen fünfzig kleine heraus. Was wollen Sie mit einem Panzer gegen fünfzig Drohnen ausrichten? Bis diese Fahrzeuge geliefert sind, sind sie wertlos.

All das hätten wir in den letzten zwanzig Jahren entspannt lösen können.

Das Rentenversprechen ist still einkassiert

Dann die Reformen. Bei der Rentenabstimmung im Dezember hieß es: Kommission einsetzen, vor der Sommerpause wird die Rentenreform verabschiedet. Das können Sie nachschlagen.

Gestern in der Rede bei der CDU hat er sich für seine Reformen gelobt und gesagt, die Rentenreform koste niemanden Geld. Alle Reformen kosteten niemanden Geld. Was für ein Unsinn.

Und dann der entscheidende Satz: Man werde das Ganze in die Wege leiten und anschieben. Von 2026 ist keine Rede mehr. Damit hat er das Versprechen still einkassiert. Wieder etwas versprochen, wieder gebrochen.

Am Wahlabend kann es eng werden

Bei Markus Lanz hat Paul Ronzheimer gestern Abend ausgepackt, wie es zwischen Merz und den Ministerpräsidenten wirklich zugegangen ist. Er ist da bestens informiert. Es ist schlimmer, als wir uns das vorstellen.

Man lästert untereinander, einer gegen den anderen. Merz weiß das alles. Merz steht auf der Bühne und sagt, es gebe keine Personaldiskussionen. Er stand kurz vor dem Rauswurf. Dann kam dieser Brief.

Wenn die CDU in Mecklenburg nicht rankommt, kann er aus meiner Sicht am Wahlabend um 20 Uhr die Koffer packen.

Zum Schluss die Kür: Der Kanzler erzählt, er fahre in Berlin sehr gerne S-Bahn, und gibt Tipps zu einzelnen Linien. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihn der Personenschutz überhaupt S-Bahn fahren lässt. Und sein Umsteigetipp stimmte offenbar auch nicht.

So redet jemand, der außerhalb jeglicher Realität steht. Und würde die AfD so auftreten, wären die Zeitungen heißgelaufen und 500.000 Leute auf der Straße.

Standbild aus dem Video: Merz erklärt das Geschäftsmodell Deutschland für tot und verschweigt die Täter
Das Video zum Beitrag auf KLARTEXT TV · 12:00 Min.
Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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