RND
Jede vierte Tageszeitung druckt Politikseiten aus einer einzigen Redaktion
Der Mantel des Redaktionsnetzwerks Deutschland läuft in rund 10,4 Millionen verkauften Tageszeitungen, und an der Eigentümerkette hängt die SPD.

In Hannover sitzt eine Redaktion, die einen großen Teil der deutschen Tagespresse mit Politik, Wirtschaft und Kultur versorgt. Sie heißt Redaktionsnetzwerk Deutschland, kurz RND, ist 2013 gegründet worden und hat ein Büro in Berlin. Was dort geschrieben wird, erscheint anschließend in Dutzenden Zeitungen im ganzen Land. Unverändert.
Das Prinzip heißt Mantelredaktion. Der Mantel, das ist alles Überregionale, der erste Teil der Zeitung. Er wird einmal geschrieben und dann verschickt. Die Häuser vor Ort machen nur noch das Lokale. Wer in Lübeck sitzt, macht Lübeck. Wer in Rostock sitzt, macht Rostock. Der Rest kommt aus Hannover.
Über hundert Partnertitel, 8,5 Millionen Leser
Nach eigenen Angaben hat das RND über hundert Partnertitel, mehr als zweieinhalb Millionen Auflage und rund 8,5 Millionen Leser pro Tag. Genannt werden über 60 Tageszeitungen und 2,3 Millionen Auflage. Und das Online-Geschäft ist in diesen Zahlen noch gar nicht enthalten. Die RND-Texte werden selbstverständlich auch digital übernommen.
Das ist eine Reichweite, die es in dieser Form sonst nirgends gibt. Und jetzt schauen Sie sich an, in wessen Händen sie liegt.
Die Eigentümerkette führt zur SPD
Das RND gehört zu hundert Prozent zu Madsack. Madsack macht rund eine Milliarde Umsatz. An Madsack wiederum hält die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft 23 Prozent. Und diese DDVG gehört zu hundert Prozent der SPD.
Direkt gehört das RND der SPD also nicht. Beteiligt ist sie trotzdem, über Madsack. Wer das einmal verstanden hat, sieht Talkshows mit anderen Augen. Wenn dort ein Journalist sitzt, der vom RND kommt, dann sitzt dort jemand aus genau diesem Haus.
Auch fremde Blätter nehmen den Mantel
Beliefert werden nicht nur die eigenen Titel. Diese Pseudo-Presseagentur versorgt auch Zeitungen, die gar nicht zur Gruppe gehören. Frankfurter Rundschau. Kölner Stadt-Anzeiger. Mitteldeutsche Zeitung. Magdeburger Volksstimme. Badische Zeitung. Westdeutsche Zeitung. Ruhr Nachrichten. Siegener und Gießener Anzeiger. Hildesheimer und Cellesche Zeitung.
Und jetzt die Zahl, auf die es ankommt. Der Mantel aus Hannover läuft in rund 10,4 Millionen verkauften Tageszeitungen. IVW-geprüft, also nach dem Maßstab, der die gedruckte und verkaufte Auflage kontrolliert. Umgerechnet heißt das: Jede vierte bis fünfte Tageszeitung in Deutschland druckt Politikseiten aus diesem Haus.
Die SPD ist führend bei der Verbreitung ihrer eigenen Nachrichten über ihre eigene Politik. Das gibt es sonst überhaupt nicht, das hat keiner.
Warum alle dasselbe schrieben
Damit erklärt sich vieles, was viele Leser jahrelang für Zufall gehalten haben. Es erklärt, warum die AfD nie eine positive Berichterstattung bekommen hat und sich ihre Reichweite komplett selbst aufbauen musste. Es erklärt, warum nach der Potsdamer Konferenz vor zwei Jahren praktisch alle Blätter dasselbe geschrieben haben.
Das war kein Wettbewerb der Meinungen. Das war ein Text, vielfach gedruckt.
Grün eingefärbt
Dazu kommt ein zweiter Faktor. In genau diesen Häusern sind 41 Prozent der Redakteure dem grünen Umfeld zuzurechnen. Die schwimmen auf derselben Welle mit. Die schreiben nicht nur in der Linie des Hauses, sie legen noch etwas drauf und färben das Ganze grün ein.
Aus dieser Mischung ist seit der neogrünen Wende ab 2010 etwas entstanden, das für jeden Andersdenkenden tödlich war. Für jeden, der schlicht seinen gesunden Menschenverstand benutzt hat. Und daraus stammt der Hass auf die Medien, den wir heute erleben.
Fünfzehn Jahre Dauerbeschallung
Die Entwicklung lief exponentiell. Moralisierung. Corona-Berichterstattung. Migration, grundsätzlich positiv. Atomausstieg und Energiewende. Vier große Themen, eine Richtung. Und deshalb stand in den Zeitungen nie etwas Kritisches gegen die Politik von Merkel oder gegen Scholz in der Ampel.
Potenziert wird das durch zehn Milliarden Rundfunkgebühren im Jahr. Dort wird derselbe Stoff weiterverbreitet und obendrein noch selbst produziert. Rechnen Sie das einmal hoch. Von 2011 bis 2026, das sind fünfzehn Jahre geballte Beeinflussung, fünfzehn Jahre moralisierte Berichterstattung. Dann wissen Sie, was auf dieses Land eingeprasselt ist.
Sachsen-Anhalt hat es einfach nicht mehr gelesen
Jetzt kommt der gesunde Menschenverstand zurück. Die Menschen in Ostdeutschland, die Wähler in Sachsen-Anhalt, haben diesen Mantel schlicht nicht mehr gelesen. Sie haben sich davon nicht beeinflussen lassen. Das Dorf, das sich nicht unterwirft, gibt es also wirklich.
Die Stimmung der letzten fünfzehn Jahre in Deutschland war kein Naturereignis. Sie war das Ergebnis einer Reichweite, die einer Partei zuzurechnen ist, eines Medienkonzerns mit einer Milliarde Umsatz und zehn Milliarden Gebührengeld jährlich obendrauf. Wer wissen will, warum so viele Menschen den Medien nicht mehr glauben, muss sich nur die Eigentümerkette ansehen.

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.





