MERZ
Ich lege mich fest: Merz tritt im Herbst zurück
Die Unionsfraktion probt offen den Aufstand gegen die Steuerpläne, und damit ist die Kanzlerschaft von Friedrich Merz am Ende.

Für mich steht seit heute fest: Friedrich Merz wird zurücktreten. Im September, spätestens Anfang Oktober. Die Stimmung in der Bundestagsfraktion ist am Boden. Was er mit seiner Rede angerichtet hat, ist nicht mehr zu reparieren. Die Abgeordneten randalieren inzwischen offen.
Es geht um die Steuerpläne. Die Ansage aus der Fraktion ist schlicht: Wir machen das nicht mehr mit. Wir stimmen nicht zu. Damit kann Merz die angekündigte Reform komplett knicken. Da passiert nichts mehr.
Die Rede im Bundestag war seine eigene Beerdigungsrede. Er hat es so weit getrieben, dass es bei den restlichen Abgeordneten nichts mehr zu retten gibt. Aus dieser Nummer kommt er nicht mehr heraus.
Wenn es ans eigene Geld geht, springen sie
Das ist genau das, worüber ich seit Montag rede. Solange es abstrakt bleibt, tragen sie alles mit. Sobald es an das eigene Geld und das eigene Mandat geht, springt jeder von der Zinne. Der Optimismus in allen Ehren: Freiwillig geht er nicht. Das wird ihm beigebracht.
Die Abgeordneten haben jetzt ein plastisches Beispiel direkt vor Augen. Sachsen-Anhalt. 25 Kollegen über Nacht weg. Damit hatte keiner von ihnen gerechnet. Genau dieses Bild steht ihnen jetzt vor Augen, wenn sie an die nächste Bundestagswahl denken.
Sie werden ihm noch die Wahlen in Berlin und in Mecklenburg gönnen. Danach ist Schluss.
Die Rede, die alles beendet hat
Was er über die AfD gesagt hat, war weit über dem Ziel. Selbst Michael Wolffsohn hat widersprochen, und der ist nun wahrlich kein Rechter. Ein Historiker jüdischen Glaubens, ein exzellenter, sehr kluger Mann. Auch er sagt: Das mit den ethnischen Säuberungen ist kompletter Unsinn.
Man muss sich das klarmachen. Ethnische Säuberungen, das ist Ruanda mit 800.000 Toten. So etwas einem demokratisch gewählten künftigen Ministerpräsidenten an den Kopf zu werfen, ist eine dreiste Nummer. Und die Abgeordneten haben genau gesehen, was da passiert ist.
In Mecklenburg wird es eng
Mecklenburg habe ich mir heute angesehen. Manuela Schwesig hat sich eine clevere junge Juristin an die Seite geholt, Lilly Blaudszun. Die macht seit Januar ihren Wahlkampf, und sie geht frontal gegen die AfD. Nicht so zurückhaltend wie in Sachsen-Anhalt, sondern direkt.
Da rasen zwei Lokomotiven aufeinander zu. Gebremst wird nicht, weder von Schwesig und der SPD noch von Leif-Erik Holm und der AfD. Holm liegt bei rund 30 Prozent, Schwesig bei 31. Sie hat vier bis fünf Punkte aufgeholt. Dazwischen wird alles zermahlen, was es sonst noch gibt.
Und die CDU? Der haben sie heute fünf Prozent prognostiziert. Es kann tatsächlich passieren, dass sie in Mecklenburg an der Fünfprozenthürde scheitert. Wenn das eintritt, tritt Merz noch am selben Abend zurück.
Seine eigene Rechnung fällt auf ihn zurück
Dann diese Rechnung, die er selbst aufgemacht hat. 44 Prozent für die AfD, aber 56 Prozent hätten sie eben nicht gewählt. Gut. Die CDU im Bund steht bei 17 Prozent. Also haben 83 Prozent die CDU nicht gewählt. Nach seiner eigenen Logik ist er damit erledigt.
Und passend dazu geht gerade das Zitat von Carsten Maschmeyer herum, das alle weitergeben:
Er ist aus dem falschen Grund Kanzler geworden. Er wollte es Angela Merkel zeigen. Aus Eitelkeit, nicht weil er diesem Land helfen wollte.
Wenn die Ministerpräsidenten und die Abgeordneten ihn jetzt nicht zum Rücktritt zwingen, dann führt Merz die CDU in die Einstelligkeit. Kann er machen. Er kann dranbleiben.
Warum mir Merz trotzdem lieber ist
Ich habe dazu schon ein Video gemacht: Ein Merz ist mir lieber als ein Hendrik Wüst oder ein Daniel Günther. Die beiden sind professioneller. So viele Fehler wie Merz würden die nicht machen. Wüst hätte sich längst die Grünen dazugeholt und wäre nicht so abhängig von der SPD.
Ehrlich gesagt hätte Merz das in seiner Lage auch tun sollen. Wenn er den Grünen schon 500 Milliarden gibt, dann hätte er sie auch mit in die Regierung nehmen können. Aber Taktik ist von ihm nicht zu erwarten.
In Sachsen-Anhalt kommen die Überläufer
In Sachsen-Anhalt hat als einzige Partei das BSW Gesprächen zugestimmt. Das heißt: Das BSW macht Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten mit. Und es wird Überläufer geben.
Einer aus der CDU hat mir bestätigt, dass er übertritt. Das ist der Anfang. Wer sein Mandat retten will, sucht sich die Seite, auf der es noch etwas zu holen gibt. Genau darum wird Merz gehen müssen.

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

