STARLINK
Für die Hälfte von Stuttgart 21 hat Musk 10.000 Satelliten ins All gebracht
Während in Deutschland Milliarden in Bahnhöfen und Software versickern, entstehen anderswo aus demselben Geld ganze Industrien.

Eine Zahl, die man sich merken sollte: Für die Hälfte dessen, was Stuttgart 21 verschlungen hat, hat Elon Musk nebenbei ein Satellitensystem mit 10.000 Satelliten aufgebaut. Starlink. Das ist der ganze Unterschied zwischen dem, was hier versenkt wird, und dem, was anderswo daraus entsteht.
Ich stelle das bewusst nebeneinander, weil man es sonst nicht begreift. In Deutschland wird gebaut, geplant, verzögert und nachfinanziert. Am Ende steht ein Bahnhof. Anderswo steht für die Hälfte des Geldes eine Infrastruktur im Weltall, die einen neuen Markt geschaffen hat.
Köpfe ohne Ahnung, keine Innovationen
Die deutschen Automobilkonzerne sind genauso wie die deutsche Politik. Oben sitzen Leute, die von nichts eine Ahnung haben, den Konzern ausbeuten, in gepanzerten Autos fahren – und es kommt keine einzige Innovation mehr heraus.
Ich würde mir nie im Leben ein Auto von VW kaufen. Die sehen alle gleich aus. Und ich zahle für einen Passat doch keine 80.000 oder 90.000 Euro. Jetzt kommt die ganze ID-Serie dazu. Wenn ich die auf der Autobahn sehe, denke ich: komplett daneben.
Mercedes macht es nicht besser. Die Modellpalette bei den Elektroautos wird weiterentwickelt und angepasst. Das ist alles nur Altes in neuer Verpackung. Deswegen werden sie untergehen. Weil sie nicht disruptiv sind.
450 Milliarden Schulden und der Dieselskandal
Bei VW sieht die Bilanz so aus: 450 Milliarden Schulden. 80 Milliarden Schadensersatz in den USA für den Dieselskandal. 50 Milliarden versenkt mit Cariad, dieser Software. Solche Spielchen können Sie machen, solange das Geld sprudelt.
Wenn der Abriss aber erst einmal da ist, funktioniert das Ganze nicht mehr. Jetzt reden sie sich schön, dass sie noch neun Millionen Autos bauen. Nur: Wie viel verdienen sie mit diesen neun Millionen Autos? In China bricht der Markt ohnehin weg.
Genau dasselbe macht die Politik. Eine Billion Euro Steuereinnahmen, die höchsten aller Zeiten, Platz drei der Industrienationen weltweit. Wenn Sie ein bisschen darunter schauen, stimmt nichts davon. Wie die deutschen Haushalte zugrunde gehen, so geht auch VW zugrunde.
Dann kommt einer wie Elon Musk
Und dann kommt einer daher, dem alle gesagt haben, es geht nicht. Er zaubert ein neues Produkt hervor, er findet neue Märkte, er macht aus dem Elektroauto etwas, während die anderen hier noch versuchen, überhaupt in den Markt hineinzukommen. Er baut Raketen, er baut Roboter.
Als Musk Twitter für 50 Milliarden kaufte, haben die deutschen Journalisten die Plattform sofort heruntergeschrieben. Die Werbekunden sprangen ab, also sei das Ding nur noch zehn Milliarden wert. So haben sie gerechnet.
Der Grund war der woke Wahnsinn jener Jahre. Musk hat als Erstes die Faktenchecker hinausgeworfen, im Hauptquartier aufgeräumt, Tausende entlassen und das Konto von Donald Trump wieder freigegeben. Er hat die Meinungsfreiheit zurückgeholt. Da sind sie ausgerastet.
Dieselbe Masche wie bei den deutschen YouTubern
Dann kam der Druck auf die Werbetreibenden: Schaltet da nichts mehr. Genau dieselbe Masche wie neulich in Deutschland, als man 60 oder 70 YouTubern die Werbeetats entziehen wollte. Musk hat den Werbekunden gesagt, sie könnten ihm gestohlen bleiben, er brauche ihr Geld nicht.
Ich habe immer gesagt, die Plattform ist mindestens 100 bis 200 Milliarden Dollar wert. Heute wird X mit rund 200 Milliarden taxiert, samt eigener KI, Grok, und eigenen Rechenzentren. Und noch immer kommen die Klugscheißer und reden es klein.
Sie haben den Untergang herbeigeschrieben. Heute ist die Firma 200 Milliarden wert.
Er muss gar nichts verkaufen. Er hat genug, was er an die Börse bringen kann. Er hat keinen Geldmangel. Weil er all in gegangen ist, wächst das Imperium. Und die Deutschen hängen hinten dran.
Die Lehre aus WeWork
Wie so ein Hype endet, habe ich einmal aus der Nähe gesehen. Ich kannte den Europa- und Deutschlandchef von Facebook in Hamburg, 15, 18 Jahre im Unternehmen, hatte Facebook hier aufgebaut. 2019 gab er seinen Wechsel bekannt – ausgerechnet zu WeWork.
Ich habe mir das in Hamburg angesehen und gedacht: Die mieten ein großes Büro, teilen es auf, stellen ein paar bunte Möbel hinein, machen ein bisschen Service und vermieten weiter. Das gibt es seit dreißig Jahren. Gemeinschaftsbüros, Coworking, wie das alles heißt.
Hochgeschrieben zur Milliardenmarke. Der Gründer wurde gefeiert wie ein Messias, lief barfuß durch die Büros, Tequila, Drogen, am Ende eine Art Sekte. Die Softbank in Japan hatte das Ganze größtenteils finanziert und Milliarden verloren. Ich habe damals gedacht: Was hast du an diesem Geschäft nicht verstanden?
Am Ende gehen sie alle in die Rüstung
Genau diese Verirrung sehe ich heute bei den deutschen Konzernen. VW wird nicht überleben. Die Werke werden abgegeben, vier oder wie viele es am Ende sind. Sie sind gar nicht mehr vernünftig zu betreiben, die Personalkosten sind zu hoch.
Es gibt diese McKinsey-Studie von vor vier, fünf Wochen. Auf der einen Seite die Investitionen, die weltweit in die besten Branchen fließen. Auf der anderen Seite die Lohnkosten. In Deutschland liegen die 50, 60, 70, teils 80 Prozent höher. Bei VW sicher noch mehr.
Deswegen werden sie in die Rüstung gehen. Das ist der einzige Ausweg, der ihnen bleibt. Und das Ganze ist eine Spirale in Europa, die sich immer schneller dreht.
Das Schöne ist: Es war alles vorhersehbar. Und es wurde abgestritten, abgestritten, abgestritten. Ich habe das in meinem Leben oft genug erlebt. Leute, die aus dem Nichts auftauchten und hochgejubelt wurden. Zwei Jahre später waren sie pleite.

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.


