STROMMASTEN

Der Anschlag auf die Strommasten kommt aus einem Milieu, das alles besser weiß

Die Festnahme in Nordrhein-Westfalen zeigt, aus welchem Milieu dieser Terror stammt, und warum der Widerstand dagegen im Osten begann.

Dirk Muchow··4 Min. Lesezeit
Hochspannungsmast mit Stromleitungen vor bewölktem Himmel
Ada Bridge pylon, Belgrade, Serbia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Petar Milošević / Wikimedia Commons, Ada Bridge pylon (Sava river, Belgrade).jpg

In Nordrhein-Westfalen haben sie den Mann festgenommen, der Hochspannungsmasten angegriffen hat. Ausgeklügelt vorbereitet, mit Drähten, die per Rakete über die Leitungen geschossen wurden. Die Begründung, die er liefert, lautet: Klimawandel. Es handelt sich um einen Architektensohn, der im Zelt geschlafen hat.

Das ist kein Zufall und kein Einzelfall. Das ist ein Milieu. Und dieses Milieu kenne ich, weil ich in Westdeutschland groß geworden bin und in den achtziger und neunziger Jahren mit genug solcher Leute zu tun hatte.

Die Söhne aus gutem Haus

Ich kannte damals bestimmt zehn Architektensöhne. Heute habe ich zu keinem mehr Kontakt. Alle wussten alles besser, alle hielten sich für etwas Besseres, alle redeten von oben herab. Aus keinem von ihnen ist etwas geworden. Im Westen war das in den achtziger und neunziger Jahren besonders schlimm.

Helmut Schmidt hat genau das schon den 68er-Studenten vorgehalten. Er sprach von ihrer überheblichen Arroganz. Sie wussten alles besser, und alle, die vorher da waren, konnten angeblich nichts. Genau dasselbe erleben wir heute wieder, nur mit anderem Etikett.

Das ist linker Meinungsterror und linker Klimaterror. Woher soll das sonst kommen?

Ein Architektensohn zieht los und greift die Stromversorgung eines Industrielandes an. Und er hält das für moralisch geboten. Das ist das Ergebnis einer Erziehung, in der einem jahrzehntelang eingeredet wurde, man sei zum Richten über alle anderen berufen.

Von der Klebeaktion bis zur Flottille

Aus derselben Quelle speist sich der ganze Klimaaktivismus. Die Festkleber auf der Straße, die von der Polizei abgelöst werden mussten. Luisa Neubauer, die bei jeder Gelegenheit vorne steht. Und davor die Bewegung um Greta Thunberg aus Schweden, vor der die Politiker jahrelang Bücklinge gemacht haben.

Ich habe mir das damals bei der UNO angesehen und mich gefragt, was hier eigentlich abläuft. Eine junge Frau mit verzerrtem Gesicht hält Staatsmännern eine Standpauke, und die stehen daneben und nicken. Der Einzige, der sie schlicht ignoriert hat, war Donald Trump. Er ist an ihr vorbeigegangen und hat sie nicht einmal angeschaut.

Inzwischen ist dieselbe Szene weitergezogen. Erst nach Ägypten, um den Ägyptern zu erklären, was sie zu tun haben. Dann mit einer Flottille Richtung Israel. Vom Klima ist kaum noch die Rede. Das Muster bleibt: Man weiß immer besser, was andere Länder zu tun haben.

Habeck auf der Fähre

Und wie verhalten sich dieselben Leute, wenn es einmal ungemütlich wird? Robert Habeck stand an der Nordseeküste rund hundert Bauern gegenüber. Er ging zurück auf die Fähre, geschützt von seinen Bodyguards. Habeck kommt aus Flensburg. Er ist Schleswig-Holsteiner.

Ein Mann aus Flensburg hätte sich hinstellen und sagen können: Hier stehe ich, lassen Sie uns reden. Das wäre es gewesen. Stattdessen sprang am nächsten Tag die gesamte Empörungsmaschinerie an, bis hinauf zum Bundespräsidenten. Alle waren erschüttert.

Dasselbe Bild, wenn sich irgendwo drei oder vier Leute vor eine gepanzerte Limousine setzen. Sofort heißt es, die Demokratie werde angegriffen. Die eigenen Blockaden, das Festkleben, die Aktionen gegen Infrastruktur: alles Ausdruck von Haltung. Der Protest der anderen: Angriff auf den Staat.

Warum die Initialzündung nur im Osten kommen konnte

Deshalb war Sachsen-Anhalt die Initialzündung. Dort hat sich jemand hingetraut. Dort haben sich auch die Medien hingetraut. Überall sonst passierte nichts. Es waren keine Berufsradikalen, sondern robuste Konservative und besorgte Eltern.

Mir sind solche Leute tausendmal lieber als das, was wir in den letzten Jahren an Klimawahn und Meinungsdruck erlebt haben. In Westdeutschland wäre diese Initialzündung nicht möglich gewesen. Das sage ich als Westdeutscher, ohne jede Häme.

Uns wurde der Pazifismus eingehämmert, von der ersten Klasse an. Ich sage ganz offen: Wenn Krieg kommt, steige ich in ein Boot und fahre weg. Ich gebe mein Leben für nichts. Krieg ist etwas von gestern, man kann alles anders regeln. Aber diese Erziehung hat eben auch einen Preis.

Die Ostdeutschen sind anders aufgewachsen. Ein Freund von mir aus Rostock hat sein erstes Boot Jungpionier genannt, weil er bei den Jungpionieren war. Das zweite hieß Ernst-Thälmann-Pionier. Was er mir über diese Zeit erzählt hat, war eine ganz andere Schule als unsere.

Genau diese Grundeinstellung ist die einzige, die dem Treiben etwas entgegensetzen kann. Nicht Gewalt, sondern Standfestigkeit. Sich hinstellen, den Mund aufmachen, nicht wegducken, wenn die Empörungsmaschinerie anspringt. Der Westen hat das verlernt. Im Osten ist es noch da. Und deshalb kam die Initialzündung dort.

Standbild aus dem Video: Der Anschlag auf die Strommasten kommt aus einem Milieu, das alles besser weiß
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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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