LEIPZIG

Das BKA-Papier zerlegt die Kriegsbegründung des Kanzlers

Merz spricht von einem über Monate vorbereiteten Anschlag, das BKA beschreibt einen Eigenbau aus dem 3D-Drucker.

Dirk Muchow··4 Min. Lesezeit
Friedrich Merz, Julia Klöckner; CDU ZUKUNFTSKONGRESS am 27.04.2023 in Berlin (Tempodrom), Deutschland
Friedrich Merz, Julia Klöckner; CDU ZUKUNFTSKONGRESS am 27.04.2023 in Berlin (Tempodrom), Deutschland · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Dr. Frank Gaeth / Wikimedia Commons, Friedrich Merz und Julia Klöckner 2023.jpg

Friedrich Merz hat gestern im Bundestag gesagt, es gebe Beweise: Der Anschlag am Flughafen Leipzig sei über Monate von Russland vorbereitet worden. Daneben lege ich, was in dem geheimen BKA-Papier zu genau dieser Drohne steht. Und da bleibt von der monatelangen Vorbereitung nichts übrig.

Es ist der 4. August 2026. Am Flughafen Leipzig steht eine ukrainische Antonow, eine der größten Frachtmaschinen der Welt. Direkt daneben liegt eine Drohne mit rund 800 Gramm Sprengstoff. Sie zündet nicht. Die Technik der Kriminalpolizei stellt sie sicher.

Ein Eigenbau aus dem Baumarkt der Bastler

Was das BKA dann beschreibt, ist kein Hightech-Produkt aus einer Rüstungsschmiede. Es ist ein selbst gebauter Racecopter der Zehn-Zoll-Klasse. Frei verkäufliche Teile. Dazu selbst gefräste und im 3D-Drucker hergestellte Komponenten. Geschätzte Flugzeit: zehn bis fünfzehn Minuten.

Auf dem Bild sieht man einen Quadrocopter. Vier Arme, ein paar Kabel, die herausschauen. Nichts Weltbewegendes. So sehen meine eigenen Drohnen auch aus. Ich kenne mich damit aus. Und wer sich damit auskennt, kann bei dieser Beschreibung nur noch lachen.

Ein 3D-Drucker ist am Ende erwärmtes Plastik. Man füllt Granulat ein, das schmilzt, und daraus entsteht das Bauteil. Ein alter Bekannter von mir hat inzwischen an die dreißig davon stehen und macht damit einen schwunghaften Handel. Man konstruiert das Teil, spielt es auf den Drucker, druckt. Ganz einfach.

Gesteuert über das Handynetz

Der zweite Punkt aus dem Papier: Die Drohne wurde nicht per Funkfernsteuerung geflogen. Sie lief über das Mobilfunknetz. Steuerung und Livebild über das Internet. Eine Schaltskizze im Geheimpapier zeigt das Herzstück. An Bord steckt ein 4G-Modul, wie im Smartphone.

Das heißt: Der Pilot kann überall auf der Welt vor einem Rechner gesessen haben. Es heißt aber auch, dass hier kein Apparat aus einer staatlichen Werkstatt geflogen ist, sondern ein billiges Teil mit einem Mobilfunkmodul und Sprengstoff daran.

Die Drohne flog über das Handynetz. So ein billiges Teil ist das.

Was der Kanzler daraus macht

Und nun überlegen wir, was Friedrich Merz gestern im Bundestag gesagt hat: Wir haben die Beweise, der Anschlag in Leipzig wurde über Monate vorbereitet.

Über Monate. Von einem Staat mit 6600 Atomsprengköpfen. Von einem Staat, der die größte konventionelle Bombe der Geschichte gezündet hat, die Zar-Bombe, oben im hohen Norden. Von einem Apparat, dem man Anschläge mit Polonium und Nowitschok zuschreibt, Nervengift, bei dem ein Hautkontakt reicht.

Und dieser Apparat braucht angeblich Monate, um eine Drohne aus dem 3D-Drucker zu bauen. Das passt vorne und hinten nicht zusammen. Wenn Russland hier etwas zerstören wollte, dann würde es das sprengen. Dann plant man nicht monatelang an einem gedruckten Racecopter.

Die Festnahme einen Tag vorher

Dazu kommt der Zeitpunkt. Einen Tag vor der Rede des Kanzlers wird in Nordrhein-Westfalen der Verdächtige der Anschläge auf Strommasten festgenommen. Ein Architektensohn, der Raketen konstruiert und mit Kupferdrähten Hochspannungsleitungen kurzschließt.

Und im selben Atemzug wird von hybriden Angriffen geredet. Wollen die uns eigentlich für dumm verkaufen? Das ist kompletter Unsinn. Man baut aus dünnem Material eine Begründung, die einen Krieg tragen soll.

Kein Wille zur Diplomatie

Parallel dazu meldet sich Selenskyj bei der EU. Ihm fehlen 24 Milliarden Dollar, eher 27. Die 95 Milliarden von vorher sind weg. Bitte schnell, bitte gleich. Donald Trump hat ihn den besten Verkäufer der Welt genannt. Man muss ihm das lassen.

Merz will Krieg. Von der Leyen will Krieg. Leute wie sie sind erkennbar nicht gewillt, Diplomatie walten zu lassen. Es geht nicht um Deeskalation, es geht um Provokation. Und wenn sich in Deutschland nichts grundlegend ändert, dann endet das schlimm.

Niemand übernimmt Verantwortung

Das eigentliche Problem ist, dass niemand geradesteht. Nicht die Beamten, die die Corona-Maßnahmen mitgetragen haben. Nicht die Politiker. Alle müssen zur Rechenschaft gezogen werden, und keiner wird es.

Jens Spahn ist vor rund acht Wochen zurückgetreten. Jetzt taucht er wieder im Haushaltsausschuss auf. Sein Bundestagsmandat hat er auch noch. So sieht Verantwortung in diesem Land aus.

Bleibt die Frage, um die es eigentlich geht: Wenn die Begründung so dünn ist, warum soll sie dann einen Krieg tragen?

Standbild aus dem Video: Das BKA-Papier zerlegt die Kriegsbegründung des Kanzlers
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Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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