BRÜCKEN

23.000 Brücken sind baufällig, und die Ingenieure dafür fehlen

In Deutschland müssen 23.000 Brücken ersetzt werden, doch in den Behörden gibt es keine Brückenbauingenieure mehr, rund 15.000 fehlen.

Dirk Muchow··4 Min. Lesezeit
Vor der Sanierung: Haus B, im Hintergrund Haus C/D
Vor der Sanierung: Haus B, im Hintergrund Haus C/D · Lizenz: CC BY-SA 3.0 · Bild: Stadtentwässerung Dresden GmbH / Wikimedia Commons, SEDD KA Kaditz Vor der Sanierung 45.jpg

23.000 Brücken in Deutschland sind baufällig und müssen ersetzt werden. Das Problem ist nicht nur der Beton. Deutschland hat die Leute nicht mehr, die so etwas bauen können. Früher hatten die Bauämter und Behörden das Wissen selbst. Heute gibt es dort keine Brückenbauingenieure mehr, und selbst die Firmen haben zu wenige.

Es fehlen etwa 15.000. Ein Kommentator hat mir hier geschrieben, ich irre mich, es seien nur 300 Brücken. Etwas härter formuliert, aber egal. Ich habe extra nachgesehen. Es sind 23.000. Einiges davon wird man sanieren können. Und über die Stromnetze haben wir da noch nicht einmal gesprochen.

Es gibt in deutschen Behörden keine Brückenbauingenieure mehr.

Das Bahnnetz ist nur noch Flickwerk

Schauen Sie sich das Bahnnetz an. In einem Video sagt ein Chinese sinngemäß: Wenn wir Deutschland übernähmen, kämen wir mit 300.000 Bahnbauingenieuren. Schienen, Bahnhöfe, Weichen komplett abreißen, alles neu. Im Dreischichtbetrieb, jeweils 100.000 Leute für acht Stunden. Nach einem Jahr stünde die Grundversorgung.

Ich habe das zuerst für einen Witz gehalten. Im Kern ist es richtig. Der Transrapid ist deutsche Technik und fährt heute in China mit 600 Stundenkilometern. Bei uns stehen die Reste unter einer Plane auf einem Abstellgleis, irgendwo bei Bochum oder Wuppertal.

China hat drei Bahnsysteme: schnell, mittel, langsam. Wir haben Infrastruktur aus den sechziger und siebziger Jahren und flicken immer nur weiter. Für rund 300 Funkmasten auf der Strecke Hamburg–Berlin sind zwei bis drei Milliarden ausgegeben worden, für die Digitalisierung des Bahnfunks.

Der alte Bahnfunk stammt aus den achtziger oder neunziger Jahren, das ist technisch etwa G2-Niveau. Flächendeckend muss die Bahn rund 15.000 Masten ersetzen, in den nächsten fünf Jahren. So marode ist das ganze System. Und wer immer nur flickt, bekommt es nie in den Griff.

Wenn der Staat selbst baut

Stuttgart 21. Für die Hälfte dieser Kosten hat Elon Musk Starlink gebaut und hat 10.000 Satelliten im All. Und dann stellt sich Dorothee Bär hin und erklärt, Deutschland sei eine Raumfahrtnation.

Das Pergamonmuseum in Berlin ist 1998 geschlossen worden, unter Gerhard Schröder. Damals hieß es, zwei oder drei Jahre Renovierung. Inzwischen sind es fast dreißig. Jetzt ist wieder zu, bis in die 2040er Jahre. Wenn das Haus fertig ist, war es rund vierzig Jahre in der Renovierung.

Der Staat wollte selbst bauen. Erst gab es keine Planung, dann Gutachten, dann Baubeginn, dann passte der Untergrund nicht. Streit, der Bauunternehmer flog raus, die Planung wurde geändert, Mitarbeiter in den Behörden starben, der Bau stand still. Das ist kein Pech. Das ist systemisches Versagen.

Beim Flughafen in Berlin lief es genauso. Ein Bekannter von mir ist daran pleitegegangen. Er hatte Verträge für die Gastronomie, die Ware wurde geliefert, die Airlines flogen ab, geöffnet wurde nicht. Solche Schäden zahlt der Staat dann natürlich nicht.

Die EU legt noch etwas obendrauf

Dazu kommt Brüssel mit 35.000 Beamten, die nichts Besseres zu tun haben, als eine Verpackungsverordnung zu erlassen. Danach braucht ein Imker 27 Beauftragte in 27 Mitgliedstaaten, wenn er seinen Honig über die Grenze schickt. Worüber reden wir eigentlich? Bei der Infrastruktur sind wir da noch gar nicht angekommen.

Und in dieser Lage sagt der Kanzler, er verstehe nicht, warum Deutschland ständig schlechtgeredet werde, die YouTuber seien alles Schwarzmaler und Scharlatane.

Die Wahrheit tut weh.

Wem wir das zu verdanken haben

Derselbe Kanzler erzählt, er fahre in Berlin S-Bahn. Kein Journalist hat ihn je damit ins Kanzleramt fahren sehen. Die Leute lachen darüber, und sie haben recht.

Wir waren das Land von Goethe und Schiller. Heute sieht es anders aus. Zu verdanken haben wir das aus meiner Sicht Angela Merkel und Friedrich Merz. Olaf Scholz hätte den Abriss der beiden Atomkraftwerke stoppen können, er hat es nicht getan. Robert Habeck hat nur vollendet, was Merkel angelegt hatte.

Fünfzig Jahre nach Gründung eines Staates sind die Akteure, die Parteien und alles, was dazugehört, so miteinander verwoben und verfilzt, dass man das nicht mehr auflösen kann. Man kann dieses System nur noch zerschlagen. Alles andere ist Flickwerk, bei den Brücken wie überall sonst.

Standbild aus dem Video: 23.000 Brücken sind baufällig, und die Ingenieure dafür fehlen
Das Video zum Beitrag auf KLARTEXT TV · 13:02 Min.
Dirk Muchow · Herausgeber

Dirk Muchow ist Herausgeber von KLARTEXT. Er schreibt über Bundespolitik, Wirtschaft und Medien – täglich, unabhängig und ohne Rundfunkbeitrag. KLARTEXT wird ausschließlich von seinen Lesern bezahlt.

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